Vers 1:6 —Schwestern
Eine Liste von ausgetauschten Zeichen und Gesten vor dem Ende der Schwesternschaft.
„Xi Ro, meine tapfere Schwester, du hast so hart gearbeitet, um die Leichen aus der Geburtskammer zu bringen! Komm. Steuere das Schiff eine Weile. Erfreue dich an dem, was unsere Nadel kann.”
Xi Ro wollte protestieren, doch insgeheim freute sie sich über Aurashs Fürsorge. Sie flog das Nadelschiff in schnittigen Kreisen, hinab unter den Ozean: Und ihr Kielwasser erhob sich an die Oberfläche wie der letzte Atemzug eines Verräters.
„Aurash, einsame Navigatorin, wir sind lange zusammen gereist. Ich weiß, du liebst es, neue Sprachen zu hören und zu sprechen. Komm, mach es dir im Fleischgarten gemütlich. Ich werde dir diese Geschichten vorlesen, die ich in Kaharn gekauft habe.”
Aurash setzte sich mit zwei geschlossenen Augen zwischen die mumifizierten Fleischfächer und lauschte schweigend Sathonas Geschichten, begierig zu verstehen, hungrig darauf, so viel zu wissen wie möglich, ehe ihr zehnjähriges Leben endete.
Später sagte Xi Ro: „Sathona, unser scharfer Verstand, du vereinsamst in deinen Gedanken. Spiele Schwerter und Laternen mit mir!”
Doch Sathona war voller Sorge und konnte keine Freude vortäuschen, als sie Xi Ro durch die glänzenden Flure der Nadel jagte.
„Sathona, so schwermütig, was ist los? Was beschäftigt dich?”
Ihre Schwestern hörten zu, als Sathona sagte: „Eingeschworene Schwestern, wir sind fünf Jahre alt. Zwei Jahre haben wir dieses alte Schiff repariert und gelernt, seine Systeme zu verstehen. Ich bin beinahe zu alt für das Mutter-Gelee und die Ritter, die unseren Vater getötet haben, sterben bestimmt bereits an hohem Alter.
Wir drei werden hier sterben, im Exil. Taox wird uns überdauern. Und Aurash, brillante Aurash, du wirst sterben, bevor du Beweise für deine Gotteswelle hast, oder einen Weg, sie aufzuhalten.”
Aurash und Xi Ro sahen einander an: „Ich wünschte, du wärst nicht so ehrlich”, sagte Xi Ro. Und Aurash dachte, dass Sathona bisher immer Recht behalten hatte.
In ihrer Seele wusste Aurash, dass sie ihren Schwur nur halten konnten, wenn sie ein großes, mächtiges Geheimnis fänden. Ein Geheimnis, das alles verändern könnte. Das war Aurashs Seele, ihr Feuer und ihr Schatten - ihr Wille, die Flanke der Welt zu durchschneiden und ihr schlagendes Herz zu finden.
„Wir müssen tauchen”, sagte Aurash, “Dafür wurde das Schiff gebaut. Um ins Fundament abzutauchen, in die Welt unter uns ... auf den Kern zu.”
„Dort ist die Besatzung auf so widerliche Weise gestorben”, protestierte Xi Ro. „Dort wurde die Abscheulichkeit in der Geburtskammer geboren ...”
„Wir müssen tauchen”, sagte Sathona und folgte dem Flüstern des Vertrauten, „in die Welt unter uns, in die metallischen Tiefen, ich hoffe, wir finden, was wir am meisten brauchen ...”
Mehr Zeit. Mehr Leben.