Vers 5:2 — Ewig stichhaltiger Beweis
„Ich habe ein Geschenk für dich“, sagt Oryx.
Savathûn, Hexenkönigin, sieht ihn mit nüchterner Vorsicht an. „Verlangt die Schwertlogik, dass ich mich in die Tiefe begebe und mir deine Kraft eigenhändig nehme?“
Ihre Abbilder bewegen sich zwischen den Kriegsmonden, laufen zusammen über den Rumpf eines zweitausend Jahre alten Kriegsschiffs. Savathûns Flotte hat sich hier versammelt in Vorbereitung auf den Angriff auf den Gabenmast. So ist der Weg der Tiefe, immer auf der Spur ihrer Beute, und die Schar ist ihre Vorhut.
„Es ist ein Vex, den ich gefangen genommen habe. Quria, Klingenwandler. Er hatte es auf meinen Thron abgesehen. Ich dachte, du würdest ihn vielleicht gerne studieren.“ Oryx hält inne zum Verdauen - durch das Band der Abstammung spürt er selbst über die Entfernung vieler Welten hinweg Crotas Zerstörungswut und sie schmeckt süß wie Fett. „Quria enthält einen Vex-Versuch, mich zu simulieren. Vielleicht erstellt es noch weitere - dich vielleicht oder Xivu Arath. Ich habe ihm etwas von seinem eigenen Willen gelassen, damit er dich überraschen kann.“
„Dann wird es wohl explodieren und mich töten“, murrt Savathûn. „Oder es lässt die Maschinen in meinen Thron und sie verwandeln alles zu Uhren und Glas.“
„Wenn es dich tötet, hast du den Tod auch verdient“, stellt Oryx mit stiller Erregung, einer freudigen Erregung, fest, denn es ist gut, die Wahrheit auszusprechen.
„Du weißt, ich habe noch keinen stichhaltigen Beweis.“ Savathûn streichelt die Leere mit einer langen Klaue und die Raumzeit ächzt unter ihrer Berührung. „Diese Sache, an die wir glauben - dass wir das Universum befreien, indem wir es verzehren, dass wir die Fäulnis herausschneiden und auf dem Weg zur finalen Form sind - ich habe keinen stichhaltigen, unwiderlegbaren Beweis. Wir könnten falsch liegen.“
Oryx sieht sie für einen kurzen Moment an, nur einen Moment, er ist nostalgisch, er ist sentimental. Er denkt: „Stell dir all die Jahre vor, die hinter uns liegen, die Dinge, die wir getan haben. Und dennoch fühlt sich das Altsein nicht wie eine Narbe an, oder? Es hat mich nicht abgestumpft. Ich fühle mich lebendig, lebendig mit dir, und jedes Mal, wenn ich von meinem Thron in diese Welt zurückkehre, fühle ich mich wieder, als wäre ich zwei Jahre alt, am Boden des Universums, nach oben blickend.“
Doch er sagt: „Schwester, sieh uns an. Wir sind der Beweis, wir, die Schar. Wenn wir ewig leben, beweisen wir es und wenn etwas noch Unbarmherzigeres uns vernichtet, ist der Beweis in Stein gemeißelt.“
Sie sieht ihn mit stechendem Blick an. „Das gefällt mir“, sagt sie, „es ist elegant“, auch wenn ihr derselbe Gedanke früher schon gekommen ist.