Eintrag 4: Geschichten auf Papier
Tex Mechanica ist eine riesige, alte Schmiede. Damals, in ihrer Blütezeit, verfügte sie über mehrere Testgelände und Vertriebszentren und arbeitete mit Produktionsstätten im gesamten Sonnensystem zusammen. Früher haben wir sogar Schiffe gebaut! Auch wenn wir dabei nie besonders erfolgreich waren. Doch das ist Jahrhunderte her: Damals, als die Zeiten günstig waren, entschied die Vorhut, dass eine Verkleinerung und Einschränkung auf die Letzte Stadt die sinnvollste Option sei. „Vergesst die Grenze“, befahlen sie. „Konzentriert euch auf eine einzige Festung und ihre Außenposten.“
Vater ist zwar unglaublich reich und mächtig, aber er ist der letzte König seiner Dynastie. Am Ende muss er als Trottel die Zeche zahlen. Welche Rolle spielt Tex Mechanica im Zeitalter der Letzten Stadt? Die eines Sportartikelherstellers. Oder einer Spielzeugfabrik für die Hüter der Vorhut. Vielleicht stellt sie auch Waffen für eine Junta her, die immer tödlichere Waffen baut, um einem Feind zu begegnen, der sich zwar immer weiter nähert, aber nie wirklich vor den Toren ankommt? Wer hat es jetzt auf sie abgesehen? Ein Waffenhändler liebt diese Frage, denn sie lässt sich nicht beantworten – zurück bleibt nur Angst.
Das kann mein Vater auch ohne mich beantworten. Soll er doch den Waffenmeister für untote Tyrannen spielen! Ich habe jetzt einen neuen Glauben. Einen neuen Weg nach vorne. Meine Aufgabe ist es, mich dem Streben nach Freiheit und Verständnis zu widmen, das von der Vorhut verschleiert wird. Ich gehe sie ohne Schuldgefühle und mit klarem Blick an. Ich bin bereit, jeden Preis zu zahlen. Ich denke an meinen lieben Freund Bracus Lume, der von der Schar-Front zurückgekehrt ist – schwer verwundet durch eine ihrer grausamsten parakausalen Waffen. Er erholt sich im Orbit, da sein Vater ihm die Nutzung unserer privaten medizinischen Einrichtung hier auf dem Campus verweigert hat. Dennoch besteht er darauf, für ein Morgen zu kämpfen, an das er so fest glaubt. Ich sollte es ihm gleichtun.
Lume und ich sind ein starkes Paar, sowohl intellektuell als auch spirituell. Er ist der Soldat, ich der Träumer. Durch unseren Briefwechsel schärfen wir unser Verlangen. Wir lassen unsere berauschenden Träume wahr werden. Vater, die Vorhut und die Hüter sind den Menschen der Stadt so fern, dass sie sich genauso gut gegen deren Befreiung stellen könnten! Die derzeitige Ordnung hemmt ihr Wachstum und zwingt sie, sich hinter hohen Mauern zu verschanzen und sich vor den Albträumen jenseits dieser Mauern zu fürchten. Diese herrschende Elite verlangt, dass wir uns ihrem Diktat fügen, und verfolgt jede Gruppe oder Person, die sich gegen sie ausspricht. Wie er mir versichert, stellen Caiatl und ihre Kabale für Lume und seine Soldaten eine ähnliche Bedrohung dar. Ihr Vater hat die Bedeutung der Kabale verdreht. Obwohl sie ihn entmachtet hat, konnte sie nicht wiederherstellen, was er zerstört hat.
Kräfte, Ideologien und Gedanken, die sich diesen beiden Übeln widersetzen, werden von den Institutionen, die sie bedrohen, als böse, dunkel und falsch eingestuft. Ich möchte wissen: Was ist so schlimm daran, sich gegen Tyrannei zu wehren? Weder die Vorhut noch Caiatl werden kampflos abdanken. Um die Stadt zu befreien, muss sich die Bevölkerung erheben – doch dazu ist sie derzeit noch nicht bereit. Aber eine kleine Zelle, die sich der Sache verschrieben hat und zum richtigen Zeitpunkt an den entscheidenden Stellen handelt? Eine Kugel wird durch einen Metallstift ausgelöst. Massenbewegungen brauchen einen Katalysator. Die Menschen in der Stadt verlangen danach.
Vielleicht werde ich der Auslöser der ersten Welle des Wandels sein. Sollte ich mich nicht mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln gegen einen Feind wehren, der Mütter und Kinder voneinander trennt? Bei meiner Recherche habe ich mich auf die umfangreichen, nicht öffentlich zugänglichen und archivierten Aufzeichnungen von Tex Mechanica gestützt. Auf Geschichten auf Papier. Erst wenn man sie selbst in der Hand hält, kann man sie durchsuchen. Einst bellten unsere Waffen wie bösartige Hunde über die Ruinen der untergegangenen Erde. Einst stellten wir Werkzeuge für Pioniere her, die mit unseren Waffen neue Wege in die Zukunft bahnten. Meine Recherchen haben ergeben, dass sich diese Waffen über ihre ursprüngliche Form hinaus weiterentwickelt haben.
Als verstoßener Erbe von Tex Mechanica habe ich meinen Namen und meine Geschichte aus unseren Archiven gelöscht. Nun ziehe ich hinaus in die Dunkelheit, weit weg von meiner Heimat, so wie es zuvor unsere Waffen getan haben. Ich werde mir einen neuen Namen suchen. Ich werde die Grenze überschreiten und anschließend nach Hause zurückkehren, um mich der vom Licht geschaffenen Welt zuzuwenden.