Celeritas
„Bereit?“, fragt Savathûn Immaru. Ihre riesige Klaue umschließt seinen schmalen, runden Körper gerade so stark, dass er in ihrer Nähe bleibt.
Immarus Hülle zittert; eine kaum merkliche Bewegung, die nur darauf zurückzuführen ist, dass Savathûn ihn festhält. „Wen habe ich denn hier draußen außer dir?“, sagt er. Ein spöttischer, beiläufiger Kommentar. „Dann geh voran. Ich will wissen, wo wir hingehen.“
Savathûn legt einen Finger an ihr Gesicht. Eine Geste, die der eines Menschen ähnelt, obwohl sie für ihre eigene Chitinpanzerung und ihre Schuppen keinerlei Bedeutung hat. „Das ist ein Geheimnis“, sagt sie ihm.
„Ach, diese ständige Geheimnistuerei!“ Er ist nicht beleidigt. Er kennt Savathûns Macht und weiß, woher sie kommt. Trotzdem befreit er sich aus ihrem Griff und sie lässt ihn frei, wenn auch eine Sekunde später, als ihm lieb ist.
„Wir treffen meine Schwestern“, verspricht sie ihm. „Xivu Arath und ihr Schmalboot auf dem Meer der Schreie … und Eris, oh, meine liebste Eris.“
„Ist sie immer noch deine Schwester, nach allem, was passiert ist?“ Immaru schwebt um ihre Krone herum.
„Sie schlüpfte aus ihrem eigenen Fleisch, häutete sich und wurde zu meiner Schwester.“ Savathûn betonte ihre Worte, und er täte gut daran, sich diese Wahrheit zu merken. Denn sie wird immer wahr sein. „Schwesternschaft ist ein zweischneidiges Schwert. Ich habe meine Schwestern schon einmal getötet und werde es wieder tun.“
„Endlich reden wir Klartext. Na, dann mal los.“ Immaru verschwindet in einer Lichtwolke, unter ihren Flügeln wirbelt Schuppenstaub auf.
Jetzt bleibt nur noch der Weg nach vorn. Das Fundament liegt weit, weit zurück – ein blasser Schimmer in einer langen, tiefen Nacht, kaum noch in Erinnerung. Ohne großes Aufheben sammelt Savathûn ihre Kräfte und gleitet zwischen den Sternen dahin.