Artikel: Eine dunklere Stunde? Ein Rückblick auf das Große Desaster
Von Emmanuil Utkin, Journalist bei der City Herald
Mehrere Lebzeiten sind vergangen, seit die Vorhut so hart getroffen wurde, dass viele daran zweifelten, dass sie sich je wieder davon erholen könnte. Für die Lichtlosen unter uns ist das Große Desaster zu einer Fabel geworden: eine Geschichte von Monstern, tragischen Helden und dem Schlimmsten, was das Universum zu bieten hat.
Für viele Hüter der Stadt sind die Ereignisse aus dieser Zeit hingegen alles andere als ein bloßer Teil einer geschichtlichen Aufzeichnung, sondern vielmehr eine persönliche Erinnerung.
„So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Odon Kolos. „Die Armee, die die Vorhut aufgestellt hat …“
Bestärkt durch den ersten Sieg gegen die Schar beim Brennenden See befahlen die Vorhut und der Konsens einen Großangriff auf den Mond. Eine Armee von Hütern zogen zu Tausenden in den Krieg gegen verschanzte Schar-Streitkräfte – nur um zu Hunderten einem einzigen Schar-Champion zu unterliegen.
Odon schaffte es als einer der wenigen Hüter, noch rechtzeitig eins der Transportmittel zu erreichen, bevor der Mond im Zuge einer Kapitulation aufgegeben wurde.
„Scheinbar bedeutet Unsterblichkeit nicht Unbesiegbarkeit“, stellt Odon fest. „Man hat lediglich eine höhere Chance, mit den eigenen Fehlern weiterzuleben.“
Das Desaster stellte den Anfang und das Ende der militärischen Aussichten der Vorhut dar. Jede Hoffnung, die Lichtträger der Stadt formell zu organisieren, verflüchtigte sich. Berichten aus der Zeit zufolge verspürten viele das Gefühl, dass sich die Hüter binnen kurzer Zeit nicht mehr führen ließen – und sogar abtrünnig wurden –, weil die Vorhut versagt hatte.
Aber Ereignisse der letzten Jahre legen nahe, dass Hüter keinem Militärkommando verpflichtet sein müssen, um sich im Namen der Stadt in Gefahr zu begeben. Angetrieben von der Hoffnung für die Menschheit oder dem Wunsch nach Wohlstand haben Hüter nie aufgehört, verheerenden Bedrohungen entgegenzutreten.
„Ich war früher Teil von Kriegskult der Zukunft“, erzählt mir Odon. „Ich glaub, ich dachte irgendwann … dass wir zwar kleine Kämpfe gewinnen, aber gegen die wahren Feinde da draußen nichts ausrichten können. Dass der Krieg auf ewig auf uns lauern wird.“
Er lacht. „Und dann kommt jemand um die Ecke und schlägt Crota die Zähne ein.“