The Grimoire Archive
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IV – Versprechen

Wir hatten ein Schiff voller menschlicher Usurpatoren entdeckt, das sich hinter einem der Monde einer staubigen, roten Welt versteckte, die sie Mars nannten. Generationen von Überlebenden kauerten auf einem verlassenen Kolonieschiff, seit die Große Maschine sie im Stich gelassen hatte. Siviks, Rakis und ich führten die Plünderer-Mannschaft an, die ihr Schiff enterte. Die Menschen waren unterernährt und erbärmlich, und trotzdem versuchten sie, es mit uns aufzunehmen. Der Kampf war kurz und brutal. Ich sah zu, wie Rakis einem Usurpator die Arme ausriss und sie auf den Boden warf. Er war damals so stark. Das waren wir alle. Unsere wachsenden Äther-Anteile waren berauschend – genau wie der Blutdurst bei ungehinderter Gewalt. Rakis war riesig, selbst damals schon. Stärker als wir alle. Einer ihrer Champions – wenn man ihn so bezeichnen konnte – forderte ihn heraus. Wir anderen standen daneben, als Rakis ihm die Gliedmaßen herausriss, eines nach dem anderen, und das, was vom Kopf des Champions übrig war, zwischen seinen Händen zerquetschte. Die anderen warfen ihre Waffen nieder und bettelten um die Leben jener, die nicht kämpften. Ehrenhaft, aber töricht. Ich sperrte die Überlebenden in eine Luftschleuse und verschloss sie. Rakis und Siviks waren sich nicht mit mir darüber einig, was wir mit ihnen tun sollten. Rakis schlug vor, dass sie als Diener wertvoller sein könnten, anstatt sie einfach der kalten Dunkelheit zu übergeben. „Stell dir mal vor“, sagte er zu mir. „Usurpatoren, die das Siegel unseres Hauses tragen und Dienste für uns verrichten.“ Siviks schien diese Idee zu gefallen. „Usurpatoren, die uns dienen“, sagte er freudig. „Wir könnten die Gunst der Großen Maschine zurückstehlen, indem wir ihnen ihre Identität wegnehmen.“ Rakis griff nach der Steuerung der Luftschleuse, doch ich wehrte seinen Arm ab. Er schaute mich verwundert an und versuchte es erneut. Er missachtete meine Führungskraft, während andere anwesend waren, und ich wusste, dass ich etwas tun musste. Ohne zu zögern, öffnete ich die Luftschleuse und unsere Gefangenen fanden im Weltraum den Tod. Als die Brüder verärgert protestierten, wurde ich meinem Namen gerecht. Stärker als alles andere. Ich schlachtete die Hälfte der Geächteten ab, die Rakis und Siviks treu waren, und richtete dann meine Klingen auf die Brüder. Trotz ihres Widerstandes lagen sie am Ende des Kampfes vor mir auf dem Boden. Die Hälfte ihrer Anhänger war tot und der Rest kauerte sich vor Angst zusammen. Meine Mutter beherrschte die Sprache der Gewalt, doch ich sprach sie fließend. Ich setzte Rakis und Siviks mit den Überlebenden ihrer Crew zur Strafe auf einem Asteroiden aus und ließ sie mit einem Messer und der Lektion meiner Mutter zurück: „Wenn deine Crew deine Autorität infrage stellt, musst du an ihr ein Exempel statuieren.“ Ich kehrte mit dem schäbigen Kolonieschiff im Schlepptau zu unserer Ketsch zurück. Als ich ihr erzählte, was aus Rakis und Siviks geworden war, hoffte ich auf Anerkennung meiner Mutter. Stattdessen sah sie mich mit gequältem Blick an. Ich dachte, sie würde sich für mich schämen, dafür, was ich getan hatte, doch ich folgte nur ihrem Beispiel. Ich war siegreich, und doch fühlte sich dieser Sieg einsamer an als jedes Scheitern. Erst viel später erkannte ich die Wahrheit. Meine Mutter schämte sich nicht für mich. Sie schämte sich für sich selbst.