VII. Gebrochener Flügel
Spiders Implantate hatten auf Glints Hülle Narben hinterlassen.
„Es tut mir so leid.“ Krähes Stimme brachte kaum mehr als ein Flüstern hervor. Trotz all seiner Macht als Lichtträger wirkte er im Schein einer einzigen Lampe auf dem Boden seiner Unterkunft sitzend klein und verloren. Krähe wiegte Glint in seinen hohlen Händen. Das monokulare Auge des Geistes starrte zu ihm hoch und flackerte schwach. „Es tut mir so unendlich leid.“
„Schon gut.“ Glint konnte Krähe nicht die Schuld geben. „Ich … ich denke, ich werde schon wieder. Spider ist …“, er musste seine Worte mit Bedacht wählen, „… sehr geschickt darin, Geist-Strukturen zu modifizieren.“
„Er hat dir eine Bombe eingepflanzt“, zischte Krähe mit gebrochener Stimme.
„Aber ich bin immer noch hier. Bei dir“, versicherte Glint. „Und du hast immer noch das Licht. Das ist es, was zählt.“
Krähe starrte die Decke an, unfähig, sich weiter anzusehen, was seinem Geist zugefügt wurde. Er schwieg, abgesehen von dem verdammten Geklapper der Rohre herrschte Stille. „Ich habe dich in diese Lage gebracht“, sagte Krähe leise. „Ich habe das zugelassen.“
„Du hattest keine Wahl. Wir können die Vergangenheit nicht ändern“, erwiderte Glint, der sich nun noch ein wenig benommen aus Krähes Händen erhob … wie ein Vogel mit einem verletzten Flügel. „Wir können nur in die Zukunft blicken.“
Krähe zwang sich, in Glints einziges flackernde Auge zu sehen. „Meine Zukunft ist an deiner Seite. Du bist alles, was ich habe, das einzige Wesen, das …“, aus Angst, dass Spider sie belauschen könnte, senkte er seine Stimme. „Das einzige Wesen, dem ich etwas bedeute.“
„Du kannst nie wissen, wem du etwas bedeutest, bis du sie triffst“, widersprach Glint und schwebte näher an Krähes Gesicht heran. „Du bist kein Gefangener“, fügte er hinzu. „Du … du könntest gehen. Ein normales Leben führen. Ohne das Licht.“
Krähe biss die Zähne zusammen und spannte den Kiefer an. „Nein“, presste er hervor. „Ich werde dich nicht verlassen. Das würdest du mir niemals antun.“
Der Geist schaute einen Moment lang in Gedanken verloren weg und wippte dann auf und ab. „Du hast Recht“, sagte er, als er sich wieder seinem Lichtträger zuwandte. Glint schwebte näher und pochte mit seiner Hülle sanft gegen Krähes Nase. „Ich werde dich niemals verlassen.“
Krähe streckte den Arm aus und nahm Glint behutsam auf seine Handfläche. „Wir sind alles, was wir haben“, flüsterte Krähe, zog dabei die Knie an sich heran und Glint noch näher. „Spider wird uns niemals gehen lassen …“
„… aber wenigstens haben wir uns.“