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Riven

Mara sitzt mit gekreuzten Beinen unter dem baldachinartigen Schatten von Rivens Schwinge. Sie befeuchtet ihren Daumen mit der Zungenspitze und nutzt diese Feuchtigkeit, um einen Strauß frisch gepflückter Asphodelien an der richtigen Stelle zu halten. Sie bindet die Stängel mit einem dünn gedrehten Goldfaden ab und beginnt dann mit der anspruchslosen, aber mühseligen Arbeit, alles erforderliche Beiwerk einzuflechten: einen gezackten Fangzahn, eine Schrotpatrone, einen trüben Amethyst-Kristall … Riven dreht sich um, um zuzusehen. An diesem Tag hat ihr Kopf die Größe eines Gefallenen-Moskitos. Sie ist leuchtend blau mit einem gelbroten Kamm und ihre Pupillen sind wie Mondsicheln in ihren lidlosen Augen. Nach einer Weile sagt sie „Madadh ist tot, aber ihm bindest du keinen Strauß“. Mara blickt auf, überrascht von diesem unerwarteten Moment. Sie mustert Riven und schluckt die ersten Worte hinunter, die ihr über die Zunge kommen wollen, nämlich dass Madadhs Knochen in diesem Moment auf der Venus flüstern. Stattdessen fragt sie „Du betrauerst ihn?“ Die sichelartige Pupille zieht sich so schmal wie eine Klinge zusammen. „Nein.“ Da sie die wahre Antwort gefunden hat, nimmt Mara ihre Arbeit wieder auf. Es vergeht eine Weile, bis sie sagt „Ahamkara haben keine Traditionen“. „Nein.“ „Keine Rührseligkeiten.“ „Keine Rührseligkeiten.“ „Nein.“ Mara beißt ein Stück Faden ab. „Wieso hast du meinem Bruder erlaubt, dich zum Abschweifen zu bringen?“ „Du kennst die Wahrheit, kluge Königin. Es steckt so viel Saft in ihm.“ „Hm. Und wieso sitzt du hier herum, wo es doch lohnende Jagdmöglichkeiten jenseits meines Riffs gibt?“ „Aufrichtig sage ich dir“ – und hier verbirgt Mara ein Lächeln – „die Erwachten haben dir, ihrer Königin anvertraut, was sein wird, und so sind sie alle wie trockener Stein für mich. Und das ist angenehm so, denn Feuchtigkeit ist süßes Mahl, aber trockener Stein ist ein freundlicher Ort, um in der Sonne zu baden. Du, du bist so heiß und flach wie die Plateaus auf Merkur, und deine Hitze bringt mein Blut in Wallung.“ Mara nickt und sagt nichts mehr, denkt aber eine Weile über den dreiteiligen Fluch nach, mit dem die Ahamkara ihre Beute markieren, die Fessel zwischen Benannt und Beängstigend. Als sie ihren Gedenkstrauß fertig hat, steht sie auf, um sich zu strecken. Riven tut es ihr gleich und während sie sich entspannt, spreizt und schüttelt sie ihre Flügel , bis sie alle gerade liegen. Das Land um sie herum ist formloser Fels und wird für die Zurückgelassenen ein Tagelied sein. Mara wird ihre Feinde und Freunde gleichermaßen in Stein ehren, sie wird große Kathedralen errichten, verblendet mit Amethyst und Achat. Riven steckt ihre rundliche Schnauze unter Maras Hand und wartet. „Suchen wir Kelda“, sagt Mara.