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Ein wirklich netter junger Mann

Einer meiner Lieblingsplätze im Turm ist eine abgelegene kleine Bank mit Blick auf die Stadt. Ich beobachte die eintreffenden Schiffe, die Vögel und die Wolken—ich bin immer so beschäftigt, dass es gut ist, mal für eine Weile rauszugehen und mich daran zu erinnern, was draußen vor sich geht. Neulich saß ich auf dieser Bank, als ein sehr großer Titan neben mir auftauchte, seine Hände vor sich gefaltet. „Entschuldigung“, sagte er. „Wäre es in Ordnung, wenn ich mich hier hinsetze?“ Ich lächelte und rutschte zur Seite, um Platz zu machen. „Bitte“, sagte ich. Er setzte sich. Seine Schultern waren so breit, dass ich noch ein wenig mehr rutschen musste. Er hatte eine Tasche mit Vogelfutter bei sich, und ich sah zu, wie er ein wenig davon auf dem Boden verteilte. Die Tauben kamen schnell—tatsächlich hatte ich in dem Moment, als er sich hinsetzte, ein paar mehr als sonst bemerkt. Ich fragte mich, wie oft er hierher kam und wie wir uns bisher verpasst hatten. Er war kein leicht zu übersehender Mann. Das Gurren der Tauben und das ferne Treiben der Stadt waren beruhigend, und da der Mann keine Probleme mit geselliger Stille zu haben schien, schloss ich meine Augen. Nach einem Moment wurde ich jedoch auf Schritte und Flüstergeräusche hinter uns aufmerksam. Eine junge Frau, ebenfalls ein Titan, löste sich aus einer kleinen Gruppe von Leuten, kam auf die Bank zu, lächelte nervös und sprach den Mann verlegen an: „Es ist eine große Ehre, dich zu treffen. Du bist eine Inspiration für Titanen allerorts.“ Er nickte bescheiden. „Danke“, sagte er. Und sie unterhielten sich kurz. Er fragte nach ihrem Namen. Sie sprachen darüber, dass sie gerade von ihrem Patrouilleneinsatz auf Io zurückgekommen war. Er lobte ihr Engagement für die Sicherheit der Menschen im System, und dann gingen sie und ihre Freunde wieder. Mein Sitznachbar machte sich wieder daran, die Tauben zu füttern. Nach einem Moment fragte ich ihn beinahe scherzhaft „Bist du berühmt?“ Er blickte mich an und neigte seinen Kopf zögernd nach vorne. „Ein bisschen.“ „Ich verstehe“, sagte ich lächelnd. Nach einem Moment fügte ich hinzu: „Mein Name ist Eva.“ „Heiliger.“ Ich saß nach dieser Antwort einen Moment lang da und fragte dann „Der 14. Heilige?“ Ich hatte die Geschichte gehört, wie er vor langer Zeit im Kampf der Sechs Fronten für die Stadt gekämpft hatte, und eine noch fantastischere Geschichte darüber, wie er einen mächtigen Gefallenen mit einem Kopfstoß besiegen konnte. Jedes Mal, wenn ich diese Geschichte gehört habe, habe ich immer gehofft, dass er einen guten Helm trug. „Das ist richtig“, sagte er und verteilte etwas mehr Vogelfutter. „Es ist mir eine Freude, dich kennenzulernen, Eva.“ Wir saßen noch etwas länger zusammen und beobachteten die Tauben und die Wolken, bevor ich mich schließlich dafür entschuldigen musste, wieder an meine Arbeit zu gehen. Wie gesagt, ich hatte die Legende vom 14. Heiligen schon zuvor gehört. Die zahlreichen Legenden bemerkenswerter Hüter lassen sie wie mythische Gestalten erscheinen, so weit entfernt von allem, was die Zivilisten der Stadt jemals sehen oder erleben werden. Der legendäre 14. Heilige erscheint mir überhaupt nicht so. Tatsächlich denke ich, dass er ein sehr netter junger Mann ist.