Flotte
Sie nehmen sein Schiff so weit draußen ins Visier, dass er ein geschocktes Grunzen von sich gibt – aber sie haben Tarn-Tech schon in Aktion gesehen: bei den Gefallenen und gegen Oryx. Er sollte also nicht überrascht sein.
Die Nachricht kommt an. „Sag uns, was dein Anliegen hier ist, oder wir feuern im Namen der Befehlsregentin.“
Arach Jalaal kichert, als er den Titel hört. Er erinnert sich noch an Petras Zeit im Turm und wie sie ungeduldig darauf wartete, wieder in den schwarzen Himmel verschwinden zu können. Ihr Wunsch wurde ihr gewährt. Vielleicht bereut sie es. Zumindest hatte sie mit einer Sache recht ... dort passiert alles, was von Bedeutung ist. Wenn der Tote Orbit über die Stadt geherrscht hätte, hätte es eine Flotte gegeben, die Ghaul begegnet wäre.
„Ich bin Arach Jalaal vom Toten Orbit“, sagt er fröhlich. „Ich bin hier, um mit der Befehlsregentin Petra Venj zu sprechen. Ich bin kein Bote der Stadt. Ich komme aus eigenem Antrieb, um über Flotten zu sprechen.“
Jalaal war schon zuvor im Riff gewesen, allerdings nie auf offiziellem Wege. Er ist ein wenig überrascht, als Petra Venj an seinem Teleportbereich auf ihn wartet. Er hatte eine Eskorte erwartet, die ihn in einen Wartebereich führen würde, um ihm klarzumachen, dass er keine Priorität hatte. Doch Petra ist eine Funktionärin, keine Politikerin. Sie könnte Aktion nie nur um des Theaters Willen hinauszögern. Das gefällt ihm.
„Arach Jalaal.“ Sie schüttelt seine Hand entschieden. Spürt er da ein Flüstern einer telekinetischen Macht an seinem Hals? Sie kann diesen Messertrick ... und was noch? „Willkommen zurück in der Heimat deiner Vorfahren.“
„Befehlsregentin. Wie gefällt dir diese Rolle?“ Eine kleine Erinnerung, dass sie beide Ungewohntes ausführten.
„Die ist nur temporär.“ Sie bedeutet ihm, mit ihr zu gehen. „Du willst über Schiffe sprechen. Wir haben talentierte Arbeiter, aber keine sicheren Werften, in denen sie arbeiten können. Wenn du einen Standort bereitstellen kannst ...“
Er unterbricht sie, indem er die Hand durch die Luft sausen lässt. Eine Geste der Weltraumwandler. „Ich bin gekommen, um Altmaterial zu besprechen.“
„Altmaterial?“
„Im Umkreis des Saturn. Ich will die Erlaubnis haben, durch den Schrottschwarm und die Rahmenstrukturen zu gehen. Die Toten werden natürlich zurückgebracht.“
Petra schweigt. Arach erwartet, von ihr als Weltraumwandlerin auch Pragmatikerin zu sein; zu sehen, dass das Riff nicht über die Kapazität verfügt, dieses Altmaterial zu verarbeiten und dass das innere Sonnensystem so viele Schiffe braucht, wie es produzieren kann. Auch Oryx' Waffe steht zur Debatte und ob diese besiegt werden kann, wenn sich das Grabschiff jemals wieder rühren sollte.
Doch Petra schweigt weiterhin.
„Die Wunde ist wohl immer noch frisch, was? Verzeih mir. Es wäre nur eine Schande, diese Ressourcen den Gefallenen zu überlassen oder auf Saturn zu verlieren ...“
Sie spricht. „Erdengeborener. Hast du um sie getrauert?“
Er denkt, dass sie es wissen würde, wenn er lügen würde. „Ich habe sie respektiert, ja, aber ich verabscheute wie sie sich ... über uns stellte. Ich bereue den Pfad nicht, den ich gewählt habe. Ich wurde zum Erwachten, um die Suche weiterzuführen, die wir vor langer Zeit angetreten sind. Die Suche nach Welten, die unserer Leben würdig sind.“
Petra kehrt ihm den Rücken zu und geht.
Er schaut ihr nach. Und erst nach einem langen Augenblick versteht er: Sie kann die Dinge, die sie sagen will, nicht sagen und sie kann es nicht über sich bringen, die Lügen zu erzählen, die sie erzählen sollte. Also weist sie ihn ab. Sie weist die Wahl ab.
Jalaal bemitleidet sie ein wenig. Sie wird nie von ihr befreit sein.