AW: Altäre der Reflexion – Neue Erkenntnisse
ZUGRIFF: EINGESCHRÄNKT
ENTSCHLÜSSELUNGSCODE: QF4LYZX16G$IKO-006
BERICHT-NR: 220-SCHAR-SAV
AGENT(EN): LIN-357
BETR: AW: Altäre der Reflexion – Neue Erkenntnisse
1. Ich habe doch noch einen persönlichen Gegenstand eingesetzt, obwohl ich es im letzten Bericht für unnötig erachtet hatte. Ich habe als Objekt meinen Mantel von früher verwendet, den ich trug, als ich gefunden wurde. Ich weiß auch nicht, was ich erwartet habe – nach all der Zeit des Nicht-Erinnerns hat wohl einfach meine Neugierde gesiegt. Ich wollte einfach mehr wissen.
2. Die Erinnerung war … als hätte man einen Schlüssel im Schloss umgedreht. Als ich mich an diese eine Sache erinnerte, standen mir auch all meine anderen Erinnerungen wieder offen.
Als ich die Erinnerung zum ersten Mal sah, habe ich kaum verarbeiten können, was alles passierte, so sehr war ich davon gefangen, sie anzusehen. Ich habe sogar vergessen zu atmen. Ihre Augen hatten so ein leuchtendes Blau … wie hatte ich sie nur je vergessen können?
In meinem Kopf spielte alles verrückt. All das, was ich vergessen hatte, wollte auf einmal gehört werden, und sie war die einzige Konstante. Also setzte ich den Gegenstand erneut ein – dieses Mal, um einen zusammenhängenden Bericht zu verfassen. Ich dachte, ich könnte die Erinnerungen verarbeiten, indem ich sie niederschrieb. Aber ich sah sie nur einfach immer wieder an und erinnerte mich an uns drei. An die schrecklichen Momente, verlängert in einer perfekten Replik.
Davor hatte ich mich überhaupt nicht an den Vorfall erinnert, nicht einmal an meinen Einsatztrupp. Ich hatte mich immer gefragt, was sich wohl in dieser Gedächtnislücke verbarg und warum ich trotz meiner Neugierde zögerte, dahin vorzudringen. Es war nicht genug zu wissen, dass ich überlebt hatte und nicht zurückkehren sollte. Ich glaube, trotz dieser Fragezeichen wollte ein Teil von mir sich nicht erinnern.
Aber genau so entstehen Lügen, nicht wahr? Genau dort, wo wir nicht hinschauen wollen. Wir lassen immer mehr Gras über die Sache wachsen und Schatten auf sie fallen, und dann sagen wir uns, dass sich darunter rein gar nichts verbirgt. Und wenn doch, dann höchstens irgendetwas Unwichtiges …
Der Tiefenblick lässt solche Täuschungen nicht zu.
ENDE DER NACHRICHT