VI. Überzeugung
Xivu Araths Klaue schließt sich um eine schmale, tiefschwarze Klinge ohne Griff, die in der Wirbelsäule eines niedergeschlagenen Ritters steckt, dessen eigenes Schwert nur ein paar Zentimeter von ihrem Griff entfernt zu Boden scheppert.
Sie dreht ihre Klinge herum und das Brüllen des Ritters hallt durch das Grabschiff. Xivus Wille steigt in die Aszendenten-Ebene hinauf und überschreitet die Barriere zwischen dieser Welt und der nächsten, um sich mit dem Zeugen zu vereinen.
Innerhalb eines entfernten Hohlraums kommunizieren sie miteinander.
„Sie widersetzen sich.“ Die vielen Stimmen des Zeugen überlagern sich.
WIE VERLETZTE BEUTE. ALLE WERDEN MIT DER ZEIT SCHWACH.
„Wenn nicht?“
Xivu Arath bemerkt den unterschwelligen Seitenhieb seiner Frage. Sie weiß, dass er an ihr zweifelt, aber nicht, warum. Das Endergebnis war egal – sie stehen an der Schwelle zur finalen Form.
DAS SCHWERT WIRD ENTSCHEIDEN, UND DAFÜR HÄRTER GESCHMIEDET WERDEN.
„Das liegt bereits hinter uns.“
Sie will nicht vor dem Ende fallen. Sie ist jetzt so nah dran. Sie sah ihr vergangenes Scheitern als Blutbuße, mit der sie für Stärke bezahlte; Kerben, wo Klingen und Licht einst auf ihren Panzer trafen, waren Legenden, denen eine Form gegeben wurde. Doch die Entscheidung liegt weder bei ihr noch beim Zeugen. Die Logik ist eine perfekte, plangesteuerte Reihenfolge der Kausalität, die in das Erlebnis bewusster Existenz verankert ist. Niemand kann sie verneinen.
Zerrissenheit im Vollendeten währt ewig.
„Die Klinge zu verweigern, ist Ketzerei“. Die Worte ihrer Schwester erschienen in ihren Gedanken wie Fingerspitzen, die falsch klingende Akkorde spielten.
Der Zeuge betritt den trostvollen Ort in Xivus Verstand. Ihren inneren Thron. Ein salziger, glatter Splitter, der sich ins Unendliche der Dunkelheit erstreckt. Rüstungen schlafen und dichten die letzten Risse eines Schlachtfelds ab, dem niemand entkommen kann.
Und seinem Blick kann niemand entkommen.
„Sie haben den Wurm; sie werden nach ihrem Wissen trachten.“ Die Worte hallen durch das verlassene Reich. „Die finale Form muss erst noch geformt werden.“
DAMIT ICH SIE RUHMREICH GEGEN DEN HIMMEL RICHTEN KANN.
„Nicht, wie du jetzt bist. Von Niederlage geschwächt.“ Die Echos schlängeln sich durch ihren Verstand, finden aber keinen Halt.
[EIN LACHEN WIE SCHREIENDE ANGST]
JÄMMERLICHE SIEGE OHNE KONSEQUENZEN; VERSCHWOMMENE SCHLACHTEN, DIE INNERHALB MEINES GRÖßEREN KRIEGES VERLOREN WURDEN.
„Kein Sieg bleibt ohne Folgen. Irgendwas ist im Gange.“
DENNOCH WURDE KRIEG ANGEFACHT. DER HIMMEL KANN KEINEN DURCHGANG ERLAUBEN.
„Diese Zeit wird bald enden. Zeig ihr deine Zuneigung, Xi Ro.“
Sie ist wieder allein.
Ihre Klinge: unter kalter Asche vergraben.