5: Wie Motten ins Licht Teil II
Eine kleine Menschengruppe kommt aus dem Wald an Osiris' Seite. Manche tragen verrostete Schusswaffen. Ihr Anführer tritt vor.
„Erhebe dich, alter Mann.“ Die Worte feucht und schwer über die Schulter geworfen.
„Nein.“
Ein bemalter Geist hüpft vor Osiris' Gesicht herum. „Kriegsherr Reich verlangt, dass du stehst.“
„Du stehst in meinem Revier. Du verbrennst mein Holz. Das ist Diebstahl. Das ist eine Waffe.“
„Dir wurde die Unsterblichkeit geschenkt und du weißt nichts Besseres anzufangen, als dir zu nehmen, was um dich herum ist. Was für eine Verschwendung.“
Der Kriegsherr lacht. Der Geist fällt schnell in das Lachen ein.
„Du bist eine Schande.“ Osiris blickt über die Schulter. „Geh. Überdenke deinen Weg.“
„Deine Waffe oder dein Leben. Das sind die Regeln. “
„Entscheide dich.“ Osiris lässt die Worte im Raum um den Kriegsherren schweben.
„Ich habe ein halbes Dutzend Waffen hinter mir.“ Der Kriegsherr setzt schartiges Eisen an Osiris Kapuze.
„Ich habe einen Funken“. Flammen umhüllen Osiris, brechen aus zu Flügeln, die die Schatten der Nacht zurückwerfen. Eine glühendweiße Klinge ragt aus seiner Hand. Mit einer schnellen Bewegung schneidet er den Kriegsherren zu einem zischenden Haufen zusammen und schnappt den erstaunten Geist aus der Luft. Sein Blick richtet sich auf die Menschen, er sieht nur ihre Rücken, als sie sich in den Wald zurückziehen. Er wendet seine Aufmerksamkeit dem Geist zu.
„Wieso dieser Mann?“ Osiris löscht seine Flamme.
„Lass mich los!“
Sagira erscheint wieder.
„Du! Schwester! Hilf mir!“
„Okay. Hey. Er wird dir nicht wehtun. Sprich mit mir. Tu einfach so, als wäre er nicht hier.“ Sagira platziert sich direkt vor dem Geist. Ihre Blicke verankern sich ineinander und hüpfen dann sprunghaft.
„Oh. Lass ihn los.“
Osiris lässt los. Der Geist verschwindet. „Sagira?“
„Er brauchte jemand, der stark ist. Einen Kämpfer.“
„Mehr nicht?“
Sagira hält inne.
„Der Reisende war ... verwundet, als er uns erschuf. Dieser Schmerz hallt nach. Manche von uns treffen Entscheidungen, die sie nicht treffen sollten. Manche von uns haben Angst. Der Prozess ist nicht einheitlich.“
„Makel.“ Osiris sinkt vor der aphotischen Dichtheit des Waldes zusammen. Wenn es Makel im Licht gibt, kann man es korrumpieren. Es ist nicht unbezwingbar, also wird es irgendwann herausgefordert.
„Wir sind Teile eines Ganzen, aber unterschiedlich. Einzigartig. Und du bist auch nicht total perfekt.“
Er würde Geduld lernen müssen.
„Wo wird er hingehen?“
„Sich wieder mit dem Reisenden vereinen. Um jemand Neuen zu finden. Jemand Besseren.“