BRIEF 3
Lieber Reisender,
wir sind nun seit einer Woche hier und Eventide ist bisher ziemlich langweilig. Wegen des Schnees und der gefährlichen schädlichen Ionen in der Luft befindet sich fast die ganze Kolonie in diesem einen engen Untergrundbau. Die Einzigen, die ohne Sondererlaubnis nach draußen gehen dürfen, sind das Wartungspersonal und die Exos.
Ach ja! Nicht zu fassen, dass ich dir noch nicht von den Exos erzählt habe. Sie haben es geschafft! Clovis Bray und Papa und all die anderen Wissenschaftler bei BrayTech haben echte, laufende, sprechende, menschlich aussehende KIs geschaffen!
Ich habe sogar eine gesehen, als uns Papa die Kolonie gezeigt hat! Sie sah total abgefahren aus und sie hatte irre coole Leuchten als Augen! Ich wollte mit ihr sprechen, aber Vater meinte, er kann sich nicht sicher sein, dass ich nicht wieder zu viele Fragen stelle. Also ging er allein zu ihr. Papa erzählte mir, dass Vater deswegen hier gebraucht wird: Er soll mit den Exos sprechen und ihr „menschliches Wesen“ untersuchen.
Papa sagte auch, er denkt, dass man mir sehr wohl vertrauen kann – besonders wenn es darum geht, meine Begeisterung für mich zu behalten. Manche Leute haben Angst vor Exos, was ich nicht verstehe. Wie kann jemand nicht begeistert von ihnen sein?
Papa lachte, als ich ihn das fragte. „Du bist wie ich. Du suchst immer nach etwas Neuem und Spannendem. Dabei vergessen wir unsere Angst vor dem Unbekannten.“
Doch er lachte nur kurz und wurde ernst. „Manchmal bringt uns das in Schwierigkeiten. Deswegen brauchen wir Menschen wie Vater, damit wir auf dem Boden bleiben.“
In dem Moment kam Vater zurück. Er sah irgendwie besorgt aus. Er erzählte uns aber nichts – „ärztliche Schweigepflicht“. Das nervt. Das sagt er immer! Dabei hat er dieses Mal gar keine echten Patienten.
Bevor ich ihm das sagen konnte, fragte mich Papa, ob ich einen Blick in die Fabrik werfen will. Natürlich wollte ich! Also gingen wir um die Ladezone herum, um uns die Fabrik anzusehen. Viel konnte ich nicht sehen, aber cool war es trotzdem.
Das alles soll eigentlich ein Geheimnis bleiben, aber ich denke, es ist okay, wenn ich es dir erzähle. Immerhin bist du derjenige, der uns das alles ermöglicht.
Dein Freund,
Micah