BRIEF 7
Lieber Reisender,
es ist so viel Zeit vergangen, seit ich dir das letzte Mal geschrieben habe. Ich musste meinen letzten Brief an dich noch einmal lesen, weil ich selbst nicht mehr wusste, was ich geschrieben hatte. Wir sind nun seit fast drei Monaten hier. Alle sind erschöpft. Besonders Vater. Er hat so viel mit seinen „Patienten“ zu tun, dass er sogar das Abendessen ausfallen ließ.
Ich mache mir jetzt immer selbst Frühstück. Manchmal, wenn ich verschlafe, lasse ich es aber ausfallen. Erinnerst du dich noch an den Traum, von dem ich dir erzählt hatte? Ich konnte die Botschaft immer noch nicht entschlüsseln und habe diesen Traum jede Nacht.
Er fängt immer gleich an: Ich bin ein Exo und stehe mitten auf einem zugefrorenen See. Der Himmel ist schwarz und es scheint ein weißer Mond.
Aus irgendeinem Grund fange ich an zu springen. Hoch und runter. Immer wieder. Mit jedem Mal springe ich etwas höher und lande etwas härter. Manchmal mache ich mir Sorgen, dass das Eis unter mir bricht. Doch dann höre ich ein Flüstern. Die Stimme sagt, dass alles in Ordnung ist, selbst wenn das Eis bricht. „Ich lasse dich nicht sterben, bevor es interessant wird.“
Während ich springe, flüstert die Stimme: „Höher, höher!“
Oder vielleicht sagt sie auch: „Komm näher, komm näher!“
Vielleicht auch beides. Letzte Nacht bin ich so hoch gesprungen, dass ich fast die Atmosphäre verlassen hätte. Ich konnte sehen, dass du der Mond bist, der über Io schwebt. Ich streckte die Arme aus, um mich von der Schwerkraft zu lösen und zu dir zu fliegen, aber dann rief eine andere Stimme: „Du bist sowas von selbstsüchtig!“
Ich wachte auf und hörte Vater und Papa streiten …