II. Der Wolf
In der Nachbarzelle sitzt ein Wolf.
Zuerst ignoriert sie ihn. Er giert zu sehr nach ihrer Anerkennung. Manchmal erinnert er sie an die bedürftigen Geächteten, die ihrem alten Kell wie Aasgeier folgten, um Aufmerksamkeit krächzten und sich um seine Beute stritten.
Was den Eliksni mehr als alles andere verloren gegangen ist, ist Würde.
Schließlich lernt der Wolf, ihr Interesse zu wecken. Er nennt sich Praksis, und er ist einfallsreich. Aber er ist jung. Er hält jede seiner Ideen für die erste und beste ihrer Art. Sie vermutet, dass er nie direkt einem Kell unterstellt war.
Er spricht gern über Maschinen – darüber, sie zu bauen und seinem Willen untertan zu machen. Er hat die verrückte Vorstellung, die Große Maschine zurückzuerobern, sie mit Arkus-Draht zu umwickeln und sie zu zwingen, ihm ihre Macht zu überlassen. Er hat die Geschichten über Ghaul gehört.
Sie lässt ihn reden und stellt ihm Fragen. Jede Frage ist wie eine Art Schleifstein. Jede Unterhaltung ein Test und es bedarf nur eines einzigen Versagens, um ihr Interesse zu verlieren.
„Die Große Maschine hat die Eliksni bedeutsam gemacht“, sagt sie. „Bis sie uns verließ. Als sie das tat, waren wir schwächer als bei ihrer Ankunft. Wieso strebst du erneut nach ihrer Berührung?“
„Um uns zu dieser Stärke zurückzubringen“, sagt er. Seine Stimme wird von der Wand zwischen ihnen teilweise verschluckt, die Arroganz hallt jedoch klar hindurch.
„Wie kannst du Stärke auf einem Fundament der Schwäche errichten?“, fragt sie. Jedes Wort ist eine Nadel. Jedes Wort sollte ihn mit Einsicht stechen.
Er schweigt.
„Hat die Große Maschine die Eliksni stark gemacht oder hat sie nur die Stärke in uns erweckt?“, fragt sie.
Wieder Schweigen.
Sie legt den Kopf in den Nacken und starrt an die dunkle Decke ihrer Zelle. „Abhängigkeit ist die größte Schwäche. Vergiss das nicht. Du spielst mit den Baukugeln eines Kindes.“
Er schweigt so lange, dass sie sich zu fragen beginnt, ob er ihre Zeit wert war. Dann sagt er: „Ich werde neue Kugeln erschaffen.“
Sie schließt die Augen und lächelt.