Leiden
Etwas Schreckliches wird passieren.
In diesem Traum streckt sich dir etwas Furchtbares, Brutales entgegen. Doch es ist nicht der alte Feind, den du kennst. Es ist etwas Neues. Etwas, das mehr darauf hofft, dich zu benutzen, als dich zu zerstören, aber es wird sich mit beidem zufriedengeben.
Der Käfig ist schlimmer als die Lähmung durch die Stille. Er ist schlimmer als die greifenden Ranken der Dunkelheit. Er ist zu konkret. Er ist zu ungewohnt. Deshalb bist du nicht hergekommen. Das hast du nicht verdient.
Die Angst genügt, damit du gehen willst.
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Ich bin der letzte Sprecher, und ich träume, dass der Reisende uns verlassen wird.
Es sollte keine Überraschung sein. Diese Wahrheit wird seit Generationen von Sprecher zu Sprecher weitergegeben: der Reisende ist gut, der Reisende ist empfindsam, der Reisende wird uns retten und der Reisende wird uns verlassen. Viele, viele Jahre habe ich geglaubt, dass die Prophezeiung vom Abschied des Reisenden falsch interpretiert wurde, und stattdessen durch seine Stille nach dem Untergang erfüllt wurde. Ich hörte auf, diese letzte Lehre zu verbreiten. Sie machte den Leuten nur Angst.
Meine Träume, die schon immer unregelmäßig und flüchtig waren, kommen häufiger. Sie sind verwirrender denn je, beunruhigend. Einst habe ich nur selten geträumt, während ich wach war, aber jetzt geschieht es die ganze Zeit.
|| Ich bin wieder still. Ich bin fort. Ich hinterlasse eine gähnende Leere. ||
Meine Träume sagen eine schreckliche Zukunft voraus: eine Zukunft ohne das Licht des Reisenden. Ich sehe, wie sie alle fallen, Hüter und Lichtlose, umgeworfen durch die Abwesenheit des Reisenden. Ich verstehe nicht, wieso es passiert, und ich weiß nicht wann. Aber ich weiß, dass es eintreten wird.
Die Details spielen dabei fast keine Rolle.
Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, Leute in das Licht des Reisenden zu bringen. Ich habe Versprechen und Versicherungen aufgrund meines Glaubens gegeben. Ich habe jeden Zweifel so tief in meinem Innern versteckt, bis mir schlecht davon wurde, weil man Zweifel besser nicht aussprechen sollte.
|| Ich erkenne meine Welt nicht. Ich möchte fliehen. ||
Letztendlich ist es eine einfache Entscheidung.
Ich sage es keinem. Bis ich besser verstehe, was auf uns zukommt, wäre es nur gefährlich, Informationen zu teilen. Es würde eine Panik geben. Einen Massenexodus aus der Stadt. Vielleicht aus dem System, wenn es nach dem Toten Orbit ginge. Es wird Furcht und Zorn und Gewalt geben, alles nur wegen eines Traums, den ich nicht erklären oder belegen kann.
Wenn ich es besser verstehe, wenn ich mir einen Reim daraus machen kann, dann kann ich etwas unternehmen. Bestimmt.
Also mache ich weiter, als wäre nichts geschehen. Ich nehme an Konsens-Sitzungen teil. Ich spreche mit Ikora über Verborgenen-Informationen. Ich erhalte Berichte und Nachrichten von unseren Spähern außerhalb der Stadt und ich beratschlage mich mit Zavala. Wie immer kommen Leute mit Fragen zu mir. Sie fragen mich, wie sie mit Verlusten und Veränderungen fertig werden sollen—alles Dinge des täglichen Lebens. Sie fragen mich, wie sie mit Zweifel umgehen sollen.
Ich lüge und sage ihnen, dass sie auf den Reisenden vertrauen sollen.
|| Leer. Leer. Leer. ||
Die Träume gehen weiter. Die Kopfschmerzen werden schlimmer. Aber ich glaube so fest daran, dass dieses Wissen unsere Lebensweise zerstören würde, und ich halte es so fest, dass es mich vergiftet.
Es ist alles umsonst.
Ich bin in meinem Apartment, als ich die erste den Boden erschütternde Explosion höre, und ich gehe hinaus, um zu sehen, was passiert ist.
Ich sehe, wie die Flotte der Rotlegion unseren Himmel verdunkelt, und mir wird klar, dass ich einen schrecklichen Fehler begangen habe.