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Aufbauen

Du bist der letzte verbleibende Stern. In deinen Träumen siehst du dich bewegungsunfähig in einem hellen, flackernden Licht, wie du auf eine halb zerstörte Welt starrst. Du siehst tausende von Teilen deiner selbst in dieser Welt, die wie Kinder durch diese stolpern und durch labyrinthartige Ruinen wandern, die sie nicht verstehen. Für einen Augenblick fühlst du in deinem Körper alles, was sie fühlen. Die Freude des Erfolgs. Den Schmerz des Versagens. Das Erlöschen einer Kerze im Tod. Das Schnappen nach Luft bei der Wiedergeburt. Du spürst alles auf einmal. --- Ich bin der letzte Sprecher. Ich bin das Kind zweier Menschen, die selbst ins Exil gegangen sind, und ich lebe in einer Siedlung im Schatten eines aufragenden Bergs. Wir sind um die 300 und wir leben hier seit fast sieben Jahren. Bei unserer Ankunft gehörten wir zum Hoheitsbereich eines Kriegsherrn namens Cathal. Für einen hohen Preis in Form eines Drittels unserer Vorräte bot er uns Schutz und spannte fast die Hälfte unserer Leute für seine Sache ein. Der eigentliche Schutz, den er gewährte, war begrenzt. Die Kriegsherren benutzten unser Tal wie ein Schlachtfeld, über das sie wie Riesen tobten, die nicht sehen konnten, wie viele Leben sie damit nahmen. Doch das konnten sie. Sie haben uns gesehen. Es war ihnen nur egal. Die Eisernen Lords haben Cathal vor fast einem Jahr vertrieben und wir leben seitdem in behaglicher Unabhängigkeit unter geringfügiger Aufsicht durch unsere Erhobenen-Retter. Unsere Leute haben dafür abgestimmt. Die Eisernen Lords haben uns gerettet, doch sie würden nicht anders sein als die Kriegsherren, wenn sie über uns herrschen wollten. Jetzt sitze ich in Verhandlungen mit einer von ihnen, einer Frau namens Lady Efrideet. „Die Entscheidung liegt bei euch“, sagt sie. „Aber wenn ihr zustimmt, erhaltet ihr eine bewaffnete Eskorte.“ Drei andere sitzen neben mir: unsere gewählte Bürgermeisterin, unser erfahrenster Mediziner und unser ältester Bewohner. Wir sind die Personen, die unsere Siedlung als Vertreter ausgesucht hat. Neben mir lässt ein silberner Geist seine Hülle rotieren, während er über meiner Schulter schwebt und Efrideet beobachtet. Er folgt mir mittlerweile seit über einem Jahr und hat seinen Auserwählten noch nicht gefunden. Ich mag seine Gesellschaft. || Ich habe bereits so viel von mir gegeben, aber ich gebe mehr. Ich werde ein Leuchtfeuer. Ich rufe meine Kinder nach Hause. || „So eine vereinte Bevölkerung, alle an einem Ort“, sagt unsere Bürgermeisterin. Sie klingt erschöpft. Sie hält ihre Position seit fast sechzig Jahren. „Das würde die Kriegsherren wie die Fliegen anziehen.“ „Sorgt euch nicht um die Kriegsherren“, sagt Efrideet mit der kühlen Sicherheit einer Person, die unsere Sorge nur begrenzt nachvollziehen kann. „Ihre Tage sind gezählt. Ihre Lebensweise ist nicht mit dem Eisernen Gesetz vereinbar, also ...“ Sie zuckt die Schultern. Ich verstehe ihre Nonchalance nicht, aber ich denke, ich vertraue ihr. Ich vertraue den Eisernen Lords. Sie haben uns keinerlei Grund gegeben, an ihnen zu zweifeln. „Wie würde die Stadt regiert werden?“, frage ich. Efrideet zuckt erneut die Schultern. „Das klingt wie etwas, über das ihr abstimmen solltet.“ Sie klopft mit den Fingern auf den Tisch, ungeduldig, aber nur ein wenig. „Wir werden den Ort nur bauen und die Leute hinbringen. Wir können die Mauern verteidigen, aber wir werden nicht vorgeben, was im Inneren passiert. Es ist ein gemeinsames Vorhaben. Eine Zusammenarbeit.“ Meine Gefährten sehen sich an, nachdenklich. Efrideet beobachtet uns. Wie die meisten der Erhobenen versucht sie, unbeteiligt zu wirken. Unberührt. Aber wenn man genau hinhört, versucht sie, uns zu überzeugen. Sie möchte es. „Hört zu“, sagt sie. „Erhobene und Nicht-Erhobene leben schon zu lange voneinander getrennt. Wir sollten zusammenleben. Mehr wollen die Eisernen Lords nicht sagen.“ Sie hält inne. „Es gibt Dinge, die wir einander beibringen können.“ Zwei Wochen später, nachdem wir alles eingepackt haben, das wir tragen können, brechen wir zu dem Ort auf, wo wir die Letzte Sichere Stadt der Erde bauen werden. || Ich wünsche mir, dass in meinem Schatten etwas wächst. ||