Vance: Auspex
Die Musik ertönte klar und wahrhaftig. Bruder Vance lauschte, in seinem Gesicht spiegelte sich ein Anflug von Entrückung wider.
„Sie wiederholt sich“, flüsterte er sich selbst und dem jungen Warlock zu, die über die Immerschmiede gebeugt eifrig Waffen aus einem anderen Zeitalter schmiedete.
Sie lauschte höflich, hörte aber nichts. Also wandte sie sich wieder ihrer Arbeit zu.
„Wieso hat niemand ein Bedauern für den Phönix übrig?“
Der Warlock blickte erschrocken auf. Vance stand ihr gegenüber. Sie hatte nicht bemerkt, dass er sich genähert hatte. Seine Frage traf sie völlig unerwartet, wenngleich er sie in einer Form stellte, als hätten sie soeben eine ausgedehnte Unterhaltung geführt.
„Wie bitte?“, erwiderte der Warlock.
„Sicher, er erfährt endlose Wiedergeburten, aber jede von ihnen endet mit einem feurigen Tod“, sagte Vance. „Kaum hat er die Asche aus seinem Federkleid geschüttelt, geht er schon wieder in Flammen auf.“
Der blinde Mann drehte sich um und reckte sein Gesicht dem gleißenden Sonnenlicht entgegen, das sein Heiligtum erhellte.
„Und niemand spricht über seinen Gesang.“
Der Warlock dankte Vance für die Erlaubnis, seine Schmiede zu benutzen, und wandte sich zum Gehen.
„Sehr gern geschehen“, erwiderte er, ohne den Kopf zu drehen, doch sein bislang ausdruckloses Lächeln hatte inzwischen freundliche Züge angenommen. Er zeigte auf die Bücher und Schriftrollen auf seinem Schreibtisch.
„Bedien‘ dich und nimm dir eine Prophezeiung“, sagte er. „Ich glaube, ich habe meine Studien endlich abgeschlossen.“