IX.II: Die Aufhebung
IN DIESEN TÖNEN LIEGT WUNDERBARE VERGESSENHEIT
Der Krieg hatte jahrhundertelang gewütet. Einer von vielen. Nur einer. Ebenso irrelevant wie der nächste. Die Geschichten vom Chor und seinem Todeslied wurden für Folklore gehalten—bestenfalls vollkommen unwahr, schlimmstenfalls enorm übertrieben ... Es waren Dämonen, die das Geschenk des Lebens begehrt hatten, nur um seine Schönheit zu korrumpieren.
Die Heimatwelt einer Spezies, über die keine Aufzeichnungen mehr existieren—als Strafe für ihre Vergehen aus dem Weltengrab gelöscht und somit aus der Erinnerung—war vor den Schlachten sicher geblieben, die am fernen Rand ihres Systems ausgetragen wurden. Ihr Standort wurde geheim gehalten, um die Heimatwelt vor dem Zorn der Schar zu schützen. Ihr Orbit wurde durch eine Reihe fortschrittlicher Offensivmechanismen verteidigt—Kanonen, mobile Anzüge, Minen, Schwerkraft-Zwillen und noch mehr. Sie waren geschützt. Sie waren sicher.
Die kleinen Schiffe, die durch ihre Verteidigung schlüpften, blieben unentdeckt. Es waren zwanzig an der Zahl, die der Reihe nach an festgelegten Koordinaten entlang des Äquators des Planeten landeten. Vier Billionen Seelen gingen ihren alltäglichen und allnächtlichen Beschäftigungen nach, als der Wind eine fremde Melodie herantrug. Sie war wunderschön—ein himmlisches Geschenk und zugleich das Ende von allem. Der Chor sang. Es waren nur zwanzig Sängerinnen. Als sich ihre Stimmen erhoben, begann die Bevölkerung zu schreien. Die Kruste des Planeten verschob sich und wurde rissig. Die Meere brodelten und ergossen sich über das Land. Der Kern wurde erschüttert. Der Boden platzte auf. Die Verteidigung löste sich auf. Es war zu spät. Weniger als eine Stunde, nachdem das Lied begonnen hatte, brach die verborgene Heimatwelt eines vergessenen Volkes entzwei. Das sind die Kräfte des Lieds, seine Geschenke—Anti-Leben und Vergessenheit.
WIEDERGEBURT
Malkanth hat zu kämpfen, da die Schmerzensschreie ihrer Schwester drohen, ihren Verstand zu verflüssigen.
Doch sie ist stark.
Und sie ist fast fertig.
Azavaths Wesen war eng mit ihrer Bestimmung verbunden—das Lied zu erlernen, die Töne zu perfektionieren, ihre eigene Arie zu schreiben und zum Tod zu werden. Es überrascht Malkanth, dass sie so an den Legenden von der Macht des Lieds festgehalten hat.
Selbst Ir Yût, einst Liebling von Crota, hatte es längst aufgegeben, den Chor wieder aufzustellen. Dennoch war Azavath von diesem Wunsch getrieben.
Malkanth war von Stolz erfüllt.
Ihre Schwester, genau wie sie, genau wie ihr Bruder—allesamt niedriggestellt in den Augen derer, die von reinerem Knochen waren—hegte noch immer Ambitionen, die über die schwärende Feigheit derer hinausgingen, die Politik dem Handeln vorzogen.
Die Schwertlogik hatte sie im Stich gelassen, doch sie würden den Schwarm nicht im Stich lassen.
Malkanth nimmt den letzten Schnitt vor.
Azavaths Brüllen zerreißt ihre Kehle und sie verstummt. Ihr Körper zerrt an den Bolzen, dann liegt er still.
Einen Augenblick lang hält Malkanth die Essenz ihrer Schwester fest. Sie will Abschied nehmen. Aber ebenso schnell blitzt das zarte Geschöpf, das ihre Schwester war, auf und verblasst. Malkanth weicht zurück.
Akrazul springt von seinem Altar auf und stürzt sich auf Malkanth.
Unerschrocken nimmt Malkanth einen einzigen Schnitt vor—tief und sauber—, der die Essenz ihres Bruders seiner körperlichen Gestalt entreißt.
Akrazuls Körper fällt zu Boden.
Seine Seele ist größer und stärker als die seiner Schwester. Wütender. Böser.
Malkanth zweifelt kurz daran, ob Azavaths Gefäß geeignet sein wird, den Zorn ihres Bruders zu halten.
Sie schiebt die Essenz des Abgetrennten Ritters in Azavaths leere Hülle. Ihre Sünde ist vollkommen.
Nun folgen die Konsequenzen.