XI.X: Apokryphen
SCHMIEDEN EINES AMBOSSES
WIE OBEN ...
Das Chaos entsteigt der Grube.
Die selbsternannten Marionettenspieler schreien und zucken zusammen, als Akrazul, gehüllt in Azavaths Knochen, Gliedmaßen, Fleisch und Anmut, sich erhebt, um sie zu begrüßen.
Die Töchter wenden sich zur Flucht, bevor die versammelten Geistlichen ihnen den Weg versperren können.
Als sie sich umschauen, frisst sich eine Stimme durch Besuriths Geist.
„Wie die Kinder des Gärtners sind auch die in deiner Nähe Versammelten deine Antithese.
Sie wollen dich ausgestoßen sehen.
Sie würden dich an die Peitsche übergeben.
Sollte der Augenblick kommen, würden sie deine Blutlinie in Asche legen—das Blut von Crota zum Versiegen bringen und den Schwarm nach ihrer schwächlichen, intriganten Vorstellung neu gestalten.
Es sei denn, die Töchter des Weltenbrechers demonstrieren, dass sie mehr als nur verhätschelte Erbinnen sind ...
Es sei denn, die Töchter des Zerstörers sind bereit, die Krebsgeschwüre aus ihrer Brut zu entfernen ...
Das Gemetzel ist bereitet.
Viele werden durch die Hand der erzürnten Sängerin sterben.
Und viele könnten die meisten sein.
Wenn du wagemutig bist.
Wenn du bereit bist, deine eigene Zukunft aus diesen wenigen, wertvollen Momenten zu ernten—wie dies einer ist—in denen dir die Gelegenheit dazu durch die Taten anderer geschenkt wird.“
Besurith wendet sich ihren gehetzten Schwestern zu, und die vier Klingen gleiten durch die Kehlen derer, die sich gegen ihren rechtmäßigen Anspruch auf den unbesetzten Thron des Vaters gestellt haben.
SO AUCH UNTEN ...
Akrazul hat sich in seinem neuen Dasein verloren.
Doch hier, während seine Schwester Malkanth auf ihn zuschwebt, setzt die Verwirrung ein.
Seine Schwester ist tot.
Durch seine eigene Hand—seine neue Hand.
Durch neue Augen betrachtet er ihre gesamte Erscheinung—die ramponierte Eleganz ihres Gewands, die von seiner Klinge hinterlassene Wunde in ihrer Brust—doch er verweilt auf ihren Augen.
Darin ist eine Fürsorge zu erkennen, die Malkanth noch nie zuvor gezeigt hat.
Dann kehrt die gedämpfte Stimme zurück und dringt in die Ecken dieses Wesens vor ...
„Sieh sie als die, die sie wirklich ist.
Deine Gier nach Gemetzel war selbstsüchtig.
Und dennoch vergibt sie dir.
Sie bittet dich einfach, ihr die gleiche Höflichkeit zu erweisen.“
Ein Wiegenlied dringt an Akrazuls Ohr, der nun Azavath ist.
Als es seine Essenz zerbricht, verkrustet und verklumpt eine Träne in seinem Augenwinkel.
Es fühlte sich gut an, seinen Zorn loszulassen, doch jetzt, da er auf dem Berg seiner aufgehäuften gebrochenen Gegner steht, spürt er nur noch Erleichterung und Liebe—und dann ist er fort.
SO AUCH UNTEN ...
Seine Niederlage kam schnell und qualvoll.
Zulmak, der bezwingende Champion, war sich sicher, dass er siegen und damit das Recht erwerben würde, zum neuen Prinzen des Schwarms gekrönt zu werden—wenn nicht durch Blut, dann durch einen Titel.
Doch niemand hatte mit Azavath und der ganzen Schlagkraft ihres wahrhaftigen, brutalen Wesens gerechnet.
Während die Zwillingsklingen der Sängerin jeden, der es wagte, die Grube zu betreten, massakrierten, hallten die Atemzüge der Versammlung von den dunklen Rändern der steilen Klippen wider, als würde der alte Fels das unerbittliche Abschlachten bejubeln.
Und während sich die Leichen zu Türmen aufstapeln, ertönt ein Ruf, den nur Zulmak vernehmen kann ...
„Das ist dein Ende, Champion.
Doch es muss nicht so sein.
Gib dich mir hin und ich werde dafür sorgen, dass du wieder gesundest.“
Zulmak schreit trotzig auf.
„Ich könnte dich packen und über Jahrhunderte hinweg an dunklen Orten zerfleischen, an denen jeder Moment eine Ewigkeit ist und jede Ewigkeit eine neue Hölle, die aus jedem neuen Schrei geboren wird.
Allerdings würde ich es vorziehen, dich noch einmal auferstehen zu sehen.
Lass los und werde befreit.
Lass los und verwandle dich, auf dass deine Wut selbst die der seltsamen Hexe in den Schatten stellen möge, die dich niedergestreckt hat.
Lass los und werde zu einer wahrhaftigen und mächtigen Waffe, die fähig ist, das Licht auszulöschen.“
Zulmaks Schrei erstirbt in seinem gebrochenen Körper, und hätte jemand hingesehen, so wäre ihnen das leichte Flackern nicht entgangen, als die Essenz des Beinahe-Champions aus dieser Ebene entrissen und in eine andere geschüttet wurde.
WIE OBEN ...
Die Töchter haben ihre Schnitte gesetzt und wenden sich zur Flucht, als Hashladûn das Bedürfnis verspürt, ein weiteres Mal in die Grube zu blicken.
„Versuche so viel über die Albträume in Erfahrung zu bringen, wie du nur kannst ...“
Ein Wispern drang an ihr Ohr.
„Sind sie eine Macht?
Oder sind sie ein Fluch?
Suche deine Vorfahren in diesen ätherischen Gestalten.
Denn wenngleich ich dir erzählen könnte, dass ein solcher Pfad Enttäuschungen bereithält, so musst du dies doch selbst erfahren.
Das ist das Verlangen der Töchter, die verzweifelt ihre Väter zu beeindrucken versuchen.
Aber verliere dich nicht in der Verzweiflung, wenn du feststellst, dass Crota und Oryx wahrhaft vergangen sind, o armes, verlorenes Kind.
Denn am anderen Ende dieser Wahrheit befindet sich eine weitere ...
Es ist an der Zeit, dass du und deine Geschwister auf eigenen Füßen stehen.
Der Schwarm—die Schar—sie brauchen keinen Prinzen, keinen König.
Sie brauchen Stärke. Sei diese Stärke.
Erhebe die Scharlach-Spitze.
Signalisiere deine Ankunft.
Fordere das Licht heraus.
Und für die Zeit, wenn die “Helden“ kommen, um deine Proklamation der Souveränität und Eroberung zu verdammen, biete ich dir dieses Geschenk—die Essenz deines gefallenen Champions.
Ich weiß, du zweifelst meine Beweggründe an, doch wir sind Schwestern von einer Art und durch Blut verbunden.
Und dieses Geschenk wird eins von vielen sein ...
Nutze es—bringe einen Zerstörer hervor, um all das zu schützen, was du zu erbauen hoffst.“
„Was ist mit der heimtückischen Hexe? Sie und ihre Schwestern kosten uns mit ihren sündigen Spielchen viel.“
„Diese Hexe, in all ihren Gestalten, ist die Schutzheilige deiner beiden Gaben.
Ihre Taten befreiten den mächtigen Zulmak, sodass er wiedererschaffen und an deinen Willen gebunden werden konnte.“
„Und die zweite Opfergabe?“
„Der Chor des Todesliedes wird aus den Verfehlungen der Grube hervorgehen.
Verfehlungen, die durch die Bestrebungen der Schwestern ermöglicht wurden.
Bestrebungen, die dir einen Champion und den Chor gewährt haben.
Bringe mit ihrer Hilfe all jenes zustande, was deine Vorväter nicht vermochten.“
Und dann ist alles ruhig.
WIE JENSEITS ...
Irgendwo in einem Schattenreich lächelt die Wisperkönigin, als sie über den Tod nachdenkt.
Sie schenkte dem Schwarm eine wunderschöne, perfekte Vernichtungswaffe und einen mächtigen Champion—die Mittel, um ihr erbärmliches Festhalten an einer Schwertlogik zu überwinden, die über ihren Verstand geht.
Die Töchter werden diese Gaben als Segen betrachten—eine steigende Flut, um den Schwarm zu erheben und das Licht herauszufordern.
Doch es ist ein umfassenderer Plan im Spiel.
Die Blutlinie von Oryx hat ihren Lauf genommen ...
Die leuchtenden Eroberer werden noch einmal wiederkehren—sie, die Todesbringer. Und der letzte, verzweifelte Atemzug des Vermächtnisses eines toten Königs wird als Amboss dienen, auf dem ein neues Schwert gehämmert, geschliffen und für die noch kommenden Kriege geschmiedet wird—die reinste Erweiterung der hinter der Logik stehenden Absicht.