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Anemone

„Wir brauchen jemanden auf dem Grabschiff“, bemerkte Krähe. „Die Jäger kommen ihrer Arbeit kaum hinterher, aber vielleicht …“ Ikora schaffte es, ihre Gefühle an die gewohnte Stelle zu verdrängen: In ein kleines Bündel unter ihren Rippen. Irgendwann später würde sie sich damit schon auseinandersetzen. „Nicht die Jäger“, entschied sie laut. An Zavalas üblichem Platz am Kriegstisch klaffte eine auffällige Lücke. „Wer dann?“ Krähe warf sein Datenpad auf den Tisch. Er sah sie unverwandt an. In seinem Blick war nichts von der früheren Ehrerbietung zu spüren. „Die Verborgenen?“ Ikora wog alle Möglichkeiten ab und antwortete nicht sofort. Chalco würde alles stehen und liegen lassen und sofort aufbrechen. Eris war eine Jägerin, was sie alle nur allzu oft vergaßen, und Chalco betrachtete sie immer noch als eine der ihren. Aber dann müsste sie von ihrer aktuellen Mission zurückgerufen werden. Einige der anderen Verborgenen vielleicht … Aber diesmal ging es um das Grabschiff, nicht um Savathûns Thronwelt. Wo Savathûn heimtückische Fallen aufstellte, setzte Oryx auf reine Stärke. Auch wenn der König der Besessenen tot war, erforderte es besondere Willensstärke, sich seiner Thronwelt zu nähern. Die eines Titanen. Sie hatten Zavala noch nichts von Eris erzählt. Ikora redete sich selbst ein, dass sie einfach auf den richtigen Moment wartete. „Nicht die Verborgenen“, sagte sie schließlich. „Aber auch nicht der Vagabund in Eigenregie. In den letzten Jahren mag er an Respekt gewonnen haben, aber das würde ich ihm trotzdem nicht zumuten. Ich würde Deputy Commander Sloane losschicken.“ „Ah.“ Krähe klang überrascht, aber kurz darauf huschte Anerkennung über sein Gesicht. „Na ja, Entschlossenheit hat sie mehr als genug.“ „Und ihre Verbindung zu Ahsa dürfte dabei helfen, die Risiken durch die Besessenen-Nachwirkungen zu mindern.“ Ikora murmelte halblaut vor sich hin, während sie ihre Gedanken ordnete. Ja, es schien der einzig richtige Weg zu sein. „Sloane wird den Dingen dort auf den Grund gehen, selbst wenn sie ein Loch mitten durch das Grabschiff schlagen müsste.“ „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Gräuel Amok laufen“, stimmte Krähe zu. Er rieb sich mit der Hand über das Gesicht und seufzte. „Ist Zavala …“ Die Frage beendete er nicht. Ikora wusste auch so nur zu gut, was er meinte. Zavala hat schon so manchen Verlust hinnehmen müssen, und nach den Vorkommnissen im Bleichen Herzen schmerzte das seine immer noch. Manche Wunden brauchen ein Leben lang, um richtig zu heilen. „Ich werde ihn darüber informieren“, sagte Ikora. „Er wird mir zustimmen, ganz sicher.“ Dieses Gespräch überließ Krähe nur allzu gern Ikora. Er nickte zur Bestätigung. „Dann schicken wir Sloane.“