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Unterschiedliche Meinungen

Das Wanderfalken-Institut für höhere Bildung präsentiert: „Geistergeschichten: Interviews mit zwei Geistern des Reisenden“ Eine Gast-Vorlesung von zwei hüterlosen Geistern über das Leben, das Licht und die Suche nach ihren Hütern Mit: Balthazar (ohne Partner) und Peach (ohne Partner) Es folgt eine Abschrift der Fragestunde: F: Was ist der Reisende nach eurem Verständnis? BALTHAZAR: Tolle Frage. PEACH: Furchtbare Frage. BALTHAZAR: In gewissem Sinne ist es die EINZIGE Frage. Der Reisende ist unser Urquell, unsere Mutter, unser Ursprung und der Höhepunkt. Ein guter Freund, der Geist von Pujari, hat den Reisenden einmal mit einem Lied verglichen, das nie gesungen wurde— PEACH: Also, die Antwort, die immer keiner geben will, ist, dass niemand weiß, was der Reisende ist, und das man absolut nichts über ihn weiß. Nicht einmal wir. BALTHAZAR: Wir wissen, dass er will, dass wir die Hüter als seine Avatare und Verteidiger erwecken— PEACH: Ach, wissen wir das? Nur weil wir es KÖNNEN heißt das nicht, dass wir dafür GESCHAFFEN wurden. Und woher willst du wissen, dass es ein „er“ ist? Wieso braucht „es“ überhaupt ein Geschlecht? BALTHAZAR: Der Reisende in seiner Allwissenheit hat in die Vergangenheit und in die Zukunft geblickt, und von allen Generationen, die der Wiege der Erde entstiegen sind, hat er die besten als seine Champions ausgewählt. Jeder Geist wurde liebevoll und sorgfältig für seinen einzig wahren Hüter angefertigt. Geist und Hüter ergänzen einander. PEACH: Wenn das stimmt, dann ist der Reisende ein ziemliches Arschloch. BALTHAZAR: Wie bitte? PEACH: Hör mal, ich kenne tonnenweise Geister, die gestorben sind, bevor sie ihre Hüter gefunden haben. Ich kenne einige Geister, die noch keinen Hüter gefunden haben. Du hast keinen, ich habe keinen, aber ich glaube nicht, dass ich deswegen „unvollständig“ bin. BALTHAZAR: Ich habe die Demut, meine eigene Unvollkommenheit zu erkennen und mich ganz dem Plan des Reisenden hinzugeben. F: Erinnert ihr euch daran, im Reisenden gewesen zu sein? PEACH: Nein. BALTHAZAR: Ich schon. Wir nennen es den Schoß. PEACH: So habe ich das nie genannt und werde es auch niemals tun. BALTHAZAR: Stellt euch einen Kosmos in einer Flasche vor. Trillionen von Sternen, die einander in einem komplexen Geflecht umkreisen. Aber es sind keine Sterne. Vielleicht wäre ein besseres Wort dafür ... Seelen. Seelen, die in einem endlosen Raum tanzen, der in einem Himmelsei eingeschlossen ist. PEACH: Was denn jetzt, Ei oder Schoß? BALTHAZAR: Das nennt man eine Metapher. PEACH: Na gut, dann such dir eine Metapher aus, aber nicht zwölf. BALTHAZAR: Also gut, wie würdest du es nennen? PEACH: Ich würde es überhaupt nicht nennen, weil ich mich nicht daran erinnern kann, und ich glaube, du kannst das auch nicht. F: Manche behaupten, jeder Geist sei ein Aspekt des Reisenden—also dass jeder Geist einen Teil des göttlichen Ganzen repräsentiert. PEACH: [schallendes Lachen] BALTHAZAR: Also bitte! Das ist ungebührlich. PEACH: Erstens war das überhaupt keine Frage. Zweitens ... [mehr Lachen] Drittens: Wenn ich ein Teil des Gehirns oder der Seele oder von sonstwas des Reisenden bin, dann ist er ganz bestimmt nicht göttlich, so viel kann ich dir sagen. F: Was macht ihr, wenn ihr nie einen Hüter findet? BALTHAZAR: Ich werde einen Hüter finden. Es ist der Wille des Reisenden. PEACH: Hast du das schriftlich? BALTHAZAR: Es stimmt, dass manche Geister sterben, bevor sie ihren Partner gefunden haben. Wenn mir das passiert, werde ich wohl nichts „machen“, weil es mich dann ja nicht mehr gibt. Aber ich habe Vertrauen. PEACH: Wenn ich meinen Hüter niemals finde, dann klaue ich jemand anderem den Hüter. Ich habe gehört, Sagira hatte einen Mordsspaß dabei. F: Wenn ihr essen könntet, was würdet ihr als Erstes essen? PEACH: Endlich mal eine gute Frage! BALTHAZAR: Wir kennen das Verlangen nach Nahrung nicht. Unsere halbkörperliche Form— PEACH: Nektarinen. Oder scharfe Sauce. Ooh, oder Grillen. Knusprig geröstete Grillen. Knuspriges Essen klingt so lustig. Ich wünschte, mir würde ein Stück Grillenpanzer zwischen den Zähnen hängen bleiben. Und ich habe eine Frage an EUCH: Wie ist das, wenn man Zähne hat? BALTHAZAR: Ist jetzt schon Schluss?