Die Trennung
Ihm ist klar geworden, dass es nicht länger von Belang ist, ob er nicht weiß, was er tun soll, oder ob er das Richtige tut. Von Belang ist das, was er will. Wenn er Mara finden will, um sie zu retten, wenn er nur erbittert genug das Richtige tun will, wenn seine Absichten gut und kraftvoll sind, wird er den Weg finden. Er muss nur an sich selbst glauben. Keine lähmende Analyse mehr, keine schmerzvollen Geheimnisse—er muss ohne Zweifel voranschreiten.
Die Erwachten sind eine wundervolle Schöpfung. Er muss dafür sorgen, dass sie sicher sind. Geheimnisse sind sicher.
„Schwester?“, fragt er die Wand seines Quartiers. In letzter Zeit hat er zwischen Perioden der Euphorie zu lange geschlafen. Manchmal braucht er eine Stunde, um auf die Beine zu kommen, und eine weitere Stunde, um seine Rüstung anzulegen. War das Leben nicht einst einfach? Konnte er Dinge nicht einfach tun, indem er sie tun wollte? Der Funke in ihm ist erloschen, der Funke der Möglichkeit von Maras Vertrauen. Er braucht ihn wieder.
Komm, komm, sagt die Wand zu ihm. Es ist Zeit, nach Hause zu kommen und deine Krone zu ergreifen ...
Er springt auf die Beine. Ja! Er will wieder etwas, will mehr, als nur dumpf hier herumzuliegen—er will sein Gesicht dem Volk der Erwachten zeigen. Er will, dass ihm eine Willkommensfanfare gespielt wird, er will eine Rede halten, um die Regentschaft anzunehmen, er will sein Volk in Schrecken versetzen und es mit der Entschlossenheit seines Bedürfnisses aufwühlen Mara zu retten. Die Erwachten haben so viel überlebt. Er will ihnen sagen, dass sie nicht länger zu überleben brauchen, dass das Ende naht, das Ende eines langen Plans.
Er geht auf die Brücke der Ketsch. „Was gibt es für Neuigkeiten aus dem Riff?“ bellt er. Ein Schweber überträgt den Ton in seine Ohren.
Petras Stimme. Petra, die es wagt, zu ersetzen, was nicht ersetzt werden muss. „Cayde, die Ziele sind jetzt im Krater. Meine Einsatztrupps sind in Blockadeposition. Wen auch immer du hast, ruf sie jetzt her.“
Hüter. Petra und die Hüter arbeiten zusammen. Hat Mara das je gewollt? Uldren glaubt das nicht. Kann es sein, dass er zu spät ist? Das die Erwachten keine ... Erwachten mehr sind? Durch die Abwesenheit seiner Schwester in die Trance des Reisenden eingelullt ...?
„Kurs auf den Vestianischen Außenposten nehmen“, blafft er und reibt sich die Augen. „Skiff zum getarnten Eindringen vorbereiten. Wir werden Petra ein Ende setz–“
„Was soll das?“ knurrt ihm ein Captain der Könige ins Ohr. „Das Haus der Könige ist äußerst zufrieden mit dem Zustand der Domäne der Erwachten. Und wenn wir eingreifen, ziehen wir mit Sicherheit die Aufmerksamkeit der Hüter auf uns ...“
Gehorsamsverweigerung. Das hätte sie nie toleriert. „Ah“, sagt Uldren, darauf achtend, dass seine Stimme leicht klingt, „ja, natürlich“. Das Brennen in seinen Augen setzt wieder ein und er entdeckt ein neues Verlangen. Etwas, das er unbedingt will.