Er überlebt immer.
Den Helm in der einen Hand, die Fackel in der anderen haltend, stapft Saladin Forge durch den Schnee. Er kann die Wölfe um ihn herum spüren, nur drei von ihnen sind sichtbar, doch dieses Rudel folgt ihm bereits auf seinen Streifzügen, seit die Teufel die Verseuchten Lande überfielen. Er hat aufgegeben, sie vertreiben zu wollen. Sie verteidigen ihr Revier und Saladin kann das gut nachvollziehen. Doch sie werden nicht lange bestehen.
Nichts besteht lange. Nicht das Goldene Zeitalter. Nicht die Kolonieschiffe. Nicht die unüberwindbaren Mauern des Kosmodroms.
Nicht die Eisernen Lords.
Er legt die Fackel beiseite und blickt nach oben, wo er ein bekanntes Leuchten in der Dunkelheit sieht. Er verzieht sein Gesicht zu einem zynischen Grinsen. Eine Horde Teufels-Spleißer starrt aus der eingerissenen Mauer vor ihm zurück.
Die Spleißer sind dem Untergang geweiht. So wie es die Eisernen Lords waren, als seine Verbündeten und er die Kammer öffneten. Die Gefallenen strömen in Scharen aus dem Loch im Wall und sie erinnern ihn an seine Freunde in ihrem letzten Moment: Ein grellroter Puls schlägt an Stelle ihrer Herzen. SIVA.
Als er seinen Helm aufsetzt, formt sich eine Eisen-Streitaxt in seiner Hand, die Luft um ihn herum in Brand setzend. Die erste Welle Geächteter kommt heran. Saladin nimmt Anlauf, seine Axt schwingend, als er auf einen Ansturm aus Stahl und Waffenfeuer prallt.
Seine Axt trifft wieder und immer wieder und Skorris Eisenlied sucht ihn heim. Er ruft nach Radegasts Stärke. Nach Peruns Zielstrebigkeit. Nach Timurs Fragen. Nach Felwinters Zynismus. Nach Silimars Beharrlichkeit. Nach Gheleons logischem Denken.
Nach Jolders Lächeln.
Er schlägt auf den letzten Spleißer-Priester ein, seine Schläge hinterlassen einen Krater im Schnee und Geröll. Gefrorener Dreck regnet auf die ausgebrannten Hüllen und Hügel aus Spleißer-Leichen nieder, die ihn umgeben. Die Warlocks der Stadt haben ihm Meditation verordnet. Er stellt sich vor, dass es sich genauso anfühlt.
Er überlebt immer. Auch wenn nichts anderes überlebt.
„Lord Saladin? Was ist dein Status?“, ruft Shiro-4 durch seinen Audiokanal.
„Mache— mache nur einen Spaziergang“, sagt er, während er auf die Kluft von fast 5 Metern Durchmesser starrt, die er in der Erde hinterlassen hat. Er musste SIVA noch einmal begegnen. Ein letztes Mal.
„Ich habe die Clovis Bray-Daten analysiert.“
Timur hatte immer gesagt, dass Clovis Bray der Schlüssel war.
„Kannst den Griff der Spleißer auf SIVA brechen?“
Wie anders die Dinge wohl sein würden, hätte Saladin damals nachgegeben?
„Theoretisch. Für kurze Zeit.“
Ob seine Freunde noch am Leben wären? Oder er?
„Das könnte ausreichen. Vielleicht ist das Glück auf der Seite unseres Hüters. Ich werde bald da sein.“
Er sieht, dass sich die Wölfe um ihn herum versammelt haben. Es sind acht.
Er überlebt immer.