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Schwinden des Lichts

„Valentina! Und ihr Sohn, Luis! Wanderfalkendistrikt! Wohnblock 10, vierter Stock! Das mit der ...“ Eine Explosion in der Nähe unterbrach sie, doch sie schrie nur noch lauter in das Funkgerät. „Das mit der grünen Markise! Bitte!“ Die Stimme der Milizfrau am anderen Ende war emotional. „Ich schicke eine Einheit! Aber Ma'am, die Kämpfe im ganzen Distrikt sind ...“ „Habe ich nicht meinen Turm-Sicherheitscode durchgegeben?“ Eva erschrak vor ihrer eigenen Stimme. Ein Peitschenschlag der Wut. Eine Pause am anderen Ende. „Ja, Ma'am. Ich gehe selbst. Tozzi over.“ Eva lehnte sich gegen – sie hob den Kopf und blickte sich um – etwas, das einmal eine Bäckerei gewesen sein muss. Jetzt verbarrikadierten die kleinen Café-Tische die Türen und die Glasvitrine der Theke war in die Regale am anderen Ende des Raumes geschleudert worden. Der Miliz-Exo, von dem sie sich das Funkgerät geliehen hatte, gab ein paar weitere Schüsse über die halbe Mauer ab, die vom Äußeren des Ladens noch übrig war. Er blickte nervös zurück in ihre Richtung. „Kannst du schießen?“ Ihr hilfloser Gesichtsausdruck schien Antwort genug gewesen zu sein, denn er griff nach dem Funkgerät. Sie rutschte über den Boden und er gab blitzschnell eine Reihe von Codes ein. Eine weitere Explosion in der Nähe brachte die anderen Zivilisten im Raum dazu, voller Angst zu wimmern und zu stöhnen. Der Exo bellte ins Funkgerät. „Wir brauchen Hüter-Unterstützung bei der Ecke von Block 1400 im Ankerdistrikt! Ich habe hier eine Menge Zivilisten und unsere Position wird überrannt!“ Seine Nachricht unterstrich er, indem er sich nach vorne lehnte und ein weiteres halbes Dutzend Schüsse abfeuerte. Die Kabale brüllten mit animalischem Zorn zurück. Nicht mehr als zwei Minuten waren vergangen, als Eva es hörte: das unverwechselbare Geräusch eines Sparrows in voller Fahrt. Sie wagte es, halb in die Hocke zu gehen und aus dem Gebäude zu blicken. Sie schaute gerade rechtzeitig hin und sah zwei von ihnen, eine Jägerin und einen Warlock, als sie wie Rachengel auf die Eindringlinge zu rasten. Diese beiden waren Profis, das konnte sie sehen – ihr Handeln war pragmatisch. Sie waren effizient und tödlich und die Soldaten zogen sich langsam zurück. Dann passierte etwas. Eva konnte nicht sehen, was es war, doch beide Hüter taumelten. Der Warlock ging in die Knie, als hätte jemand die Fäden wie bei einer Marionette durchgeschnitten. Die Jägerin schüttelte ihren Kopf und hob eine Hand in die Luft – ein unverwechselbares Zeichen, ein Ruf nach dem Licht ... doch nichts passierte. Die Kabale, als hätten sie auf diesen Moment gewartet, schlugen hart zu. Die Jägerin wurde von einem angreifenden Zenturio umgerannt und unter seinen Füßen zertrampelt. Der Warlock schien sich nicht ganz erholt zu haben und fiel zu Boden, während die Schüsse dutzender Soldaten auf ihn hinabregneten. Der Exo stand jetzt ganz auf, geschockt, und als Eva ihren Mund öffnen wollte, um ihm zu sagen, dass er ihn Deckung gehen solle, fiel er – als Opfer eines Scharfschützen. Einer der Männer übergab sich vor lauter Entsetzen in eine Ecke. Eva erlaubte sich keinen Moment zum Nachdenken. Sie hob das Funkgerät vom Boden auf und drängte sich durch die Zivilisten zu einem Fenster an der anderen Seite des Raums. Sie nutzte das verstärkte Gehäuse, um das Fenster einzuschlagen, und begann, Kinder hindurchzuheben, nachdem sie die größten Scherben aus dem Rahmen entfernt hatte. Sie war die letzte, die das Gebäude verließ und ein paar Querschläger schlugen in die Wand neben sie ein, als sie hinausflüchtete. Sie hörten nicht auf zu rennen, bis sie sich sicher waren, dass ihnen niemand folgte. Sie hatte keine Ahnung, in welchem Distrikt sie waren oder welche Gebäude hier einst gestanden hatten. Viele der ihr bekannten ordentlichen Straßen und gepflegten Alleen waren nur noch ein Labyrinth aus Trümmern – die letzte sichere Stadt, ein Labyrinth zusammengebrochener und zerstörter Strukturen. Die Kinder hatten sich alle zusammengedrängt, während die Erwachsenen leise miteinander sprachen. Jeder von ihnen weinte ab und an, aber sie versuchten alle, möglichst still zu sein. Ein gellendes Zwitschern, das durch den Funk zu hören war, erschrak Eva und sie stoß sich den Hinterkopf an der Wand hinter ihr. Sie hatte ganz vergessen, dass sie es noch bei sich hatte. Sie griff danach und drückte auf die Taste. Ein Flüstern sagte: „Ma'am?“ Ihre eigene Stimme war tief und überraschend ruppig: „Hier spricht Eva Levante. Spricht da Tozzi?“ Eine Pause. „Tozzi ist tot. Sie bat mich aber, mich wieder zu melden.“ Eine weitere lange Pause. Eva kämpfte gegen das Bedürfnis zu schreien an. „Es tut mir leid, Mrs. Levante. Block 10 existiert nicht mehr. Ich glaube, eines der automatischen Verteidigungssysteme ist während des Beginns der Kämpfe online gegangen und eines ihrer Kommandoschiffe muss abgestürzt sein ...“ Den Rest der Worte hörte Eva nicht mehr.