Einträge 150, 151
Eintrag 150
Ich habe dieses Tagebuch für lange Zeit zur Seite gelegt. Ich war zu müde, um darin zu schreiben. Meine Klamotten sind weiter geworden und sie ist besorgt darüber, dass ich an „Masse verliere“. So wollte ich sie nie kennenlernen.
Im habe damit angefangen, nachts vor mich hinzusingen, um meine Nerven zu beruhigen. Sie war ganz aufmerksam und bat mich, ihr das Lied „Le Temps Des Cerises“ beizubringen. Sie fragt mich, woher ich das Lied kenne, aber ich bin nicht in der Lage, von ihm zu erzählen. Ich sage ihr also, dass es eine alte Familientradition ist.
War das eine Lüge? Ich frage mich, ob das jetzt überhaupt eine Rolle spielt.
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Eintrag 151
Ich habe versucht, einige ihrer Fragen zu beantworten. Über die Schwarze Waffenkammer, über das Leben vor dem Ende ... über das, woran ich glaubte. Über das, was uns dazu macht, was wir sind. Über das, was sie dazu macht, was sie ist.
Wenn man nicht weiß, wo man herkommt, woher soll man dann wissen, wer man ist? Unsere Vergangenheit definiert mehr, als wir uns eingestehen wollen.
Ich erzähle ihr, dass sich all das – all dies, was verloren ist – bewahren soll. Unsere Vergangenheit ist kostbar und darf nicht vergessen werden.
Ich erzähle ihr das alles und merke, dass ich diejenige bin, die nicht ganz ehrlich ist. Ich halte fest an Geheimnissen. Ich bin die Heuchlerin. Deshalb konnte ich sie noch nicht einmal ansehen.
Eines Tages – wahrscheinlich bald – wird sie das einzige Leben sein, das unserem Vermächtnis noch bleibt.
Vielleicht werde ich eines Tages nicht so feige sein. Vielleicht sage ich ihr dann alles.