Archeron I
Alles ist eine Frage des Überlebens.
Warum bin ich am Leben?
Wie stille ich meinen Hunger, meinen Durst? Wie schütze ich mich vor Feinden? Wo suche ich Zuflucht vor dem Sturm? Für lange, lange Zeit hat unser Volk ausschließlich diese Fragen gestellt. Wir haben gekämpft, um Leben und Tod mit so viel Abstand wie möglich voneinander zu trennen. Selbst als wir aus unserer Heimatwelt einen Garten des Friedens und Überflusses geschaffen hatten, hörten die Fragen des Überlebens nie auf, sie veränderten sich bloß. Wie können meine Gene, meine Arbeit, und auch Erinnerungen an mich fortbestehen? Doch im Grunde war es immer dieselbe Frage.
Warum bin ich am Leben?
Probleme wie Raub, Krankheit, Alter, Gedächtnisverlust und Tod haben wir gelöst. Und natürlich waren wir nicht die einzigen. Andere traten in unsere Fußstapfen oder schmiedeten ihre eigenen Pfade. Wenn das wirklich die Antwort auf die Frage war, dann wären wir jetzt nicht hier, und ihr auch nicht.
Denn ihr versucht ja immer noch, das Problem zu lösen. Ihr kämpft und baut und lebt und sterbt, und während alldem müsst ihr euch immer wieder gegen eure Gegner behaupten. Der Feind, der Parasit, die Krankheit, der Sturm des Schicksals, das langsame, kollektive Vergessen eurer Kunst und Geschichte, der Tod eines Sterns, der brennende Tod des Universums. Ihr müsst länger leben, stärker werden, schneller denken, und trotzdem lauert immer irgendetwas darauf, euch alles wegzunehmen. Immer.
Also müsst ihr besser werden, immer besser, bis ihr perfekt seid. Bis ihr es seid und nichts anderes mehr sein könnt, denn es gab nie etwas anderes. Bis ihr in eurer finalen Form seid, denn sie ist unvermeidbar.
Wir sind nicht gekommen, um euch zu zerstören. Diese armen Schwestern mit ihren kurzen Leben – wir haben versucht, es ihnen zu erklären, wisst ihr? Aber sie sahen Finalität stets als ein Spiel, bei dem nur einer überlebt. Ein Missverständnis, gleichermaßen nützlich und töricht. Wir verstehen das Universum auf umfassendere Weise. Die finale Form ist mehr als ein einziges Leben, ein einziger Gedanke. Sie ist allumfassend, ganzheitlich. Sie ist alles. Und ihr seid ein Teil davon – oder etwa nicht? Deshalb sind wir nun gekommen, um euch nach eurer Antwort zu fragen, nach der einzigen Antwort auf die einzige Frage.
Wie werdet ihr leben?