Erhaltung
Für manche Eliksni ist die Dunkelheit nichts Materielles, keine brechende Welle oder bösartige Macht, gegen die man ankämpft. Sie ist ein Impuls, ein Drang, das zu tun, was einem den größten Vorteil verschafft, während man alles andere ignoriert. Mit dieser Ansicht bin ich vertraut. Ich habe sie schon lange geteilt.
Menschen – zumindest Hüter – betrachten dieselbe Dunkelheit als etwas, das in einer Schlacht bekämpft und wie eine Waffe gehandhabt werden kann. Die daraus entstehenden Mächte würden dem auch nicht widersprechen.
Ich möchte auf diese Weise keinen Kontakt mit der Dunkelheit herstellen. Doch mittlerweile kenne ich sie etwas besser. Ich kann mich nicht mehr zurückhalten. Ich sehe die Dunkelheit nun als Raum ohne Schwerkraft – oder vielleicht auch als Kolloid. Teilchen, die von der Strömung des Flusses getragen werden. Sie sind schwierig zu identifizieren, denn sie fließen wie eine Flüssigkeit, und doch … ist da etwas, das nicht selbst aus Dunkelheit gemacht ist.
Ich habe etwas in mir aufgenommen, als wir es uns zur Aufgabe gemacht hatten, Osiris aus seinem Tiefschlaf zu holen, als wir erneut Nezareks Relikte gesammelt haben. Manchmal stelle ich mir vor, dass ich es unter meinem Exoskelett fühlen kann. Eine Flüssigkeit, die umherschwappt und sich dann wieder beruhigt, und die das Sediment bewegt.
Wenn ich aus Albträumen aufwache, wird dieses Gefühl stärker, so als hätte es darauf gewartet, dass ich aufwache.
Ich höre, wie Menschen Dunkelheit als Macht des Bewusstseins beschreiben, nicht mehr als Materie, sondern als etwas mit Verbindungen und etwas Fließendem. Nicht böse, nicht an sich böse. Aber wenn es etwas ist, das zwischen Menschen gesponnen wird und summt, wenn Ideen und Gefühle einander berühren, dann ist es kein Wunder, dass sie in ihrer Bewegung mehr mit sich trägt.
Kein Wunder, dass sie als Stimme unserer schlimmsten Impulse bezeichnet wird, wenn man bedenkt, wer sie schon alles genutzt hat, wer ihr schon alles verfallen ist. Ich höre diese Stimme jetzt deutlicher als jemals zuvor.
Wenn dein Feind ein Gewehr hat, darfst du es ihm wegnehmen: Aber was, wenn seine Hand den Lauf nicht loslässt? Wenn du jemals deinen Finger an einem Abzug hättest, der vom Gedanken eines anderen abgedrückt werden wollte? Wenn du schließlich selbst glaubst, dass du diesen Abzug ziehen wolltest?
Wird ein Teil von mir von dieser Dunkelheit konsumiert? Und welcher Teil genau? Ich glaube kaum, dass es der beste Teil von mir sein könnte.
Ich würde Eido lieber etwas Besseres zurücklassen.
— Teilweise wiederhergestellte überschriebene Datensektoren aus persönlichen Protokollen von Misraaks, Kell vom Haus des Lichts.