Strang-Protokoll III
Ich habe bei der einheimischen Bevölkerung nachgefragt, vor allem, was die „Kindergeschichte“ angeht, die uns Nimbus über den Fluss der Seelen erzählt hat. Ich hatte den Verdacht, dass es noch andere Versionen geben könnte oder Versionen mit einer besser dokumentierten Herkunft.
Die Bereitschaft zur Teilnahme an dieser Umfrage war relativ durchwachsen. Genau wie die Ergebnisse. Es scheint sich eher um ein endemisches Konzept als um einen religiösen Glauben zu handeln. Außerdem konnte mir niemand sagen, wo es herkommt, außer dass ein Elternteil oder Lehrer es ihnen irgendwann mal erzählt hat. Einige Befragte haben einen Sternenfluss erwähnt – vielleicht die Milchstraße – und andere sprachen von Windströmungen und Witterungen, aber die meisten Befragten halten am „Fluss der Seelen“ als Konstrukt fest.
Alles kommt aus dem Fluss und kehrt wieder zu ihm zurück. Der Fluss kann sich teilen und wieder vereinen. Andere Dinge mögen hineinfallen und seinen Lauf ändern, aber trotz allem fließt er unentwegt weiter. Selbst dann, wenn hohe Berge schon längst wieder abgetragen sind.
Natürlich könnte man das am ehesten als Allegorie für die Kontrolle über das Leben verstehen. Am Ende kann kein Fluss kontrolliert werden. Eine Person kann in ihm schwimmen oder auf ihm Boot fahren, aber den Fluss niemals zu fassen bekommen, um den Lauf des Wassers zu steuern. Und es ist unübersehbar, was das mit Strang zu tun hat. Er entgleitet in dem Moment, in dem man zu fest zupackt.
Strang macht mich neugierig. Sein Aussehen. Wir können die Ursprünge der Stasis-Macht auf Europa sehen. Das Konzept von kosmischem Eis als Gegengewicht zum Sternenfeuer passt perfekt in eine bestimmte Art von Paradigma. Sogar die Vorstellung von Stille und Kontrolle passt zum Einfrieren, einer Schwerfälligkeit von Atomen, egal, ob es eine Macht von „Eis“ ist oder nicht. Die Wahrnehmung eines „Elements“ hat eine gewisse Bedeutung.
Wenn Strang durch die Linse von Neomuna geformt worden wäre, hätte er stattdessen wohl eher eine Art kosmisches Wasser sein sollen. Irgendwas, das fließt und nachgibt, nur um wieder aufzusteigen. Es gibt sicherlich Kampfstile, die das in älteren Aufzeichnungen befürworten.
Aber diese Kraft, die noch nie zuvor auf diese Weise genutzt wurde, kam zuerst zu einem Hüter. Ich vermute, dass dieser Hüter sie unbewusst geformt hat. Ich wünschte, ich wäre dabei gewesen! Als was würde „Verbindung“ erscheinen? Mittlerweile kennen wir natürlich die Gestalt dieser Kraft: Sie ist grün und webt sich in Fäden. Andere Hüter, die sie erlernen, schreiben ihr in Gedanken genau das gleiche Aussehen zu. Egal, welche Fortschritte sie erreicht haben, sie ist bereits grün und wirr.
Trotzdem kann ich nicht umhin, mir Gedanken über das aufkeimende, formlose Ding zu machen, das es war, bevor wir diese Kraft riefen und sie uns antwortete.