Frei | Teil I
„Gestehe! Gestehe, dass du meine Schwester in der Träumenden Stadt eingesperrt hast!“
„Das habe ich nicht“, sagt Illyn. „Sie ist nicht eingesperrt, Uldren. Sie ist tot.“
Uldren kennt jetzt die Wahrheit und will alles richtigstellen. Er will es so sehr, dass er weiß, dass nichts, was er in dieser Absicht tut, falsch sein kann. „Hexenlügen“, spuckt er giftig aus. „Sie ist am Leben!“
Illyn mustert ihn eine Weile still. Dann: „Wir wussten, dass du kommen wirst“, sagt sie mit ruhiger Ablehnung zu ihm. „Du bist verloren, Uldren.“
„Du wusstest, dass ich komme, aber du hast nie nach mir gesucht? Dafür hätte dir meine Schwester die Augen genommen.“
„Deine Schwester benötigt jetzt nichts von uns. Nicht einmal dich.“
Der Zorn ist fast so groß, dass er sie töten will. Doch er weiß, das würde Mara nicht wollen. Sie ist jetzt bei ihm, sie ist substanziell, wenn nicht körperlich und sie tanzt am Rande seines Sichtfelds. Du bist so nah, flüstert sie. Befreie mich von diesem Ort, Uldren Sov ...
„Du bist verrückt geworden“, sagt Illyn mit abstoßendem Mitgefühl. „Das wäre ich auch fast, als ich wusste, dass sie weg ist. Wieso bist du mit dieser ... Bestie unterwegs? Weshalb bist du gekommen?“
„Ich bin gekommen, um es zu beenden“, teilt Uldren ihr mit. Er versucht sogar zu lächeln, weil er ehrlich ist. Er sagt die Wahrheit. „Mir ist klar geworden, dass ich ein Narr war, zu versuchen sie zu überraschen. Wir alle existieren nach ihrem Plan, Illyn. Wir handeln nur mit ihrem Einverständnis. Ich werde sie retten, weil sie will, dass ich sie rette. Wenn sie will, dass ich sterbe, werde ich sterben.“ Und wenn sie ihren großen Plan für die Erwachten vollendet hat, werden die Erwachten auch sterben. Das ist die Belohnung, die wir so sehr verdienen, denn wir schulden Mara alles. Es wäre ... falsch, wenn wir unseren Zweck überleben würden. Vertrau mir. Das Leben ohne sie ist schlimmer als ... schlimmer als ... “
Er verschluckt sich daran, kann es nicht beschreiben. Am Rand seines Sichtfeldes beobachtet Mara ihn mit all der untröstlichen Sorge und Zärtlichkeit, die er sich immer von ihr erhoffte.
An diesem Abend übergibt er sich selbst dem Riff.